Leseprobe zum SciFi-Thriller "Herbert..."

Eva und Herbert sind bei Carla und Thomas eingeladen. So ganz klassisch zum Abendessen.

„Herbert, was gibt`s Neues?“, fragt Thomas.

„Eva wird bald zu mir ziehen“, verkündet der glücksstrahlend. „Mann, das freut mich sehr für euch. Willst du es also versuchen mit dem angeblich schwedischen Gockel aus Goni.“ Herbert wendet sich beleidigt ab. „Du Hobby-Programmierer“, mault er.

„Mal langsam, ich habe beschlossen, Meyers-Rocke den Rocken, nein, den Rücken zu kehren. Aber ich habe einen Vertrag und den werde ich erfüllen. Das dauert also noch ein bisschen“, präzisiert Eva die Sache.

Thomas steht auf und umarmt zuerst sie, dann ihn. Das rührt Herbert offenbar, denn er schnieft ein wenig.

„Glückwunsch, Eva, und Glückwunsch, Alter!“

„Ich habe einen neuen Auftrag.“

„Lass hören!“

„Gonim machen schon lange Ferien auf der Erde, bisher nur vereinzelt Jetzt kommt das in Mode und es würden gerne wesentlich mehr von ihnen herkommen als bisher.“ Thomas starrt ihn an, muss schallend

lachen. „Was, Ferien? Am Strand von Malle und sich bräunen? Und abends ab in die Großraum-Disco, den Bierkönig, zum Komasaufen? Und wie kriegst du Aufträge aus Goni? Per Telefon?“

„Ja, ich bekomme Nachrichten aus Goni.“

„Die müssten bei 15 Lichtjahren ja 15 Jahre unterwegs sein“, meint Carla.

Herbert sieht die beiden überheblich an. „Ignoranten. Wir haben zwei neue Wurmlöcher gefunden. Jetzt dauert das nur noch ein paar Tage.“

„Aha, und du sollst jetzt Pauschalreisen organisieren, Malle, Phuket und Antalya?“, will Carla wissen.

„Nein, es geht um Kultur.“

„Bierkönig ist auch eine Art von Kultur.“

„Sei mal ernst.“

„Ich hasse es, ernst zu sein“, sagt Thomas. „Geht doch nach Griechenland, die können ein wenig Umsatz gut gebrauchen.“

„Hm, Griechenland wäre nicht schlecht“, meint Herbert.

„Ich verkaufe meine Firma, dann hätte ich ab sofort Zeit. Ich könnte ins Reisegeschäft einsteigen“, schlägt Thomas vor.

„Sie wollen auch Ski fahren.“

Jetzt lässt Thomas seinen Oberkörper mit Schwung auf den Tisch fallen. Ein Lachkrampf schüttelt ihn.

„Nackt? Das wird kalt.“ Der Tisch hat unter dem Aufprall verdächtig geknackt. Herbert sieht Thomas missbilligend an.

Der ist nicht mehr zu bremsen: „Da bin ich dabei, ich habe als Student die Skilehrerprüfung gemacht. Und wegen der Finanzierung rufe ich bei der Mafia an. Da können wir Geld waschen, oder braucht ihr eine Quittung fürs gonische Finanzamt?“

Thomas und Carla prusten. Er ist knallrot im Gesicht. Tränen fließen.

„Wir zahlen keine Steuern“, sagt Herbert todernst.

„Ein Film mit Jody Foster hieß Contact“, fällt Carla ein. Darin geht es um den ersten Kontakt zu Außerirdischen. Habe den damals gesehen. Erschien mir aber bedeutend weniger profan als das, was wir mit unserem Glückskeks aus dem All hier gerade erleben.“

Thomas haut noch einen raus. „Leute, wir steigen ins interstellare Reisegeschäft ein! Wir werden der interstellare Fernbus und wir werden sie grün anmalen, die Raumschiffchen. Aber wie bringen wir die Gonim hier her? Wie groß sind die eigentlich?“

„So um die 1,70 m.“

„Aha, etwa wie wir. Dazu müssten wir ja offiziell Kontakte herstellen. Wollen die das denn?“

Wie aus der Pistole geschossen, kommt die Antwort: „Nein, das wollen die zurzeit nicht. Und ich sage euch auch, warum. Denkt mal darüber nach. Wenn hier Gonim auftauchen, werden die Geheimdienste der Amis, der Russen und der Chinesen sie sofort schnappen, um aus ihnen alles rauszuquetschen, was ihr noch nicht wisst. Und das ist viel“, lacht er dreckig.

„Sind die Gonim empfindlich?“, fragt Thomas.

„Nein, das sind harte Typen.“

„Stimmt, hast du mal gesagt.“

„Wenn welche von der CIA oder dem russischen Geheimdienst gefoltert werden, müssten wir sie befreien, und dann reicht ein Funke für die Eskalation.“

„Und falls ihr mit großen Schiffen kommt?“

„Die sind nicht so unverwundbar wie in den Science-Fiction-Filmen. Ein Angriff von zehn Eurofightern mit Meteor- oder AMRAAM-Raketen würde reichen.“ Er macht eine bedeutsame Pause.

„Das Problem seid nicht ihr, das Problem sind wir“, muss Carla zugeben. „Die Menschen haben erstens Angst vor euch und zweitens ist die Menschheit untereinander so uneinig, eifersüchtig und neidisch. Die Russen würden alles machen, um den Amerikanern zuvorzukommen, und umgekehrt. Wenn da eine überlegene Zivilisation und vor allem Technologie auftaucht, dann will jeder sie unbedingt haben, koste es, was es wolle. Dann kannst du dich in die Südsee verkrümeln oder in die Schweiz, du hinderst die Geheimdienste nicht daran, dich zu holen. Die machen weltweit genau das, was sie wollen.“

Thomas fällt was ein:

„Wenn die Schusswaffen aber nicht mehr funktionieren, sieht wieder alles ganz anders aus. Jetzt verstehe ich, warum du die zerstören sollst.“

Herbert grinst vielsagend.

„Genau.“

Carlas Kopf wackelt bedenklich. Eva steht daneben und hört die ganze Zeit nur gebannt zu.

„Die Gonim waren übrigens schon öfter auf der Erde“, erklärt Herbert ihnen.

„Was? Wo? Wann?“

„Ja, ja, die W-Fragen. Um 2000 vor Christi Geburt waren wir das erste Mal in Ägypten. Damals haben wir noch auf Götter gemacht und die Ägypter sind drauf reingefallen. Da habe ich ein Video.“

„Du hast ein 4000 Jahre altes Video?“, fragt Carla entgeistert.

„Klar.“

„Hast du auch eins mit Jesus drauf?“

„Ja.“

Jetzt sackt sie auf das Sofa. „Der hat ein Video mit Jesus drauf! Was der Vatikan wohl dazu sagen würde. Wir könnten es auf ebay verscheuern.“

Eva sitzt jetzt mit offenem Mund da. Sie bleibt weiterhin stumm.

„Seit damals waren wir regelmäßig hier zu Gast. Bis heute. Letztes Jahr waren ein paar Gonim in Kanada zum Skifahren. Die waren im Nordwesten an einer ganz einsamen Stelle und haben da Tiefschneefahren geübt.“

„Wow, die müssen ja gut sein“, staunt Thomas.

„Klar, und wir brauchen keine Helikopter, wir haben ja Raumschiffchen, Skiraumschiffchen sozusagen“, prahlt er. „Kein Mensch hat etwas davon mitbekommen. Dann wollen sie natürlich auch segeln, surfen und kiten. Solche Aktivitäten sind auf Goni gerade groß in Mode. Und sie wollen reisen und alte Städte und Kulturdenkmäler besichtigen. Es kann dir übrigens seit Jahren passieren, dass du Gonim auf Reisen triffst. Achte mal auf Asiaten mit einem besonders blassen Teint. Die Gonim verkleiden sich ziemlich gut und treten immer in Gruppen auf. Sie sehen sowieso irgendwie asiatisch aus und benehmen sich auch so. Und im Münchner Hofbräuhaus hocken sie auch zusammen.“

Thomas kommt aus dem Staunen gar nicht mehr raus. „Aber Herbert, wie sprechen die denn, wenn sie es gar nicht können?“

„Das ist einfach.“

„Hätte mich auch sehr gewundert, wenn etwas mal nicht einfach gewesen wäre.“

„Wir haben so einen Übersetzer entwickelt mit 400 Sprachen drauf. Ist winzig. Das sorgt sogar dafür, dass die Mundbewegungen stimmen.“

„Mal angenommen, die Gonim und wir würden offiziell und friedlich zusammenkommen, würdet ihr dann alles preisgeben, was ihr wisst?“

„Auf gar keinen Fall. Wir sind viel weiter als ihr, und das bleibt so. Vielleicht schafft ihr es ja irgendwann bis zum Mars. So far from home.“ Er fängt an, ansteckend zu lachen, muss sich den Bauch halten.

„Die Amis wissen, dass es uns gibt. Zumindest einige von ihnen – Roswell, Area 51. Die haben da sogar ein altes Raumschiff von uns. Sie können nur nicht damit umgehen. Auch das ist schon gedankengesteuert, aber sie hatten noch nie das richtige Gehirn dazu. Die suchen heute noch nach dem Armaturenbrett und dem Gaspedal – Amis eben.“ Er macht eine kurze Pause. „Bald ist Pfingsten. Habt ihr schon mal darüber nachgedacht?“

Die drei schütteln den Kopf.

„Das ist ja der fünfzigste Tag nach der Auferstehung, gell?“

Thomas nickt.

„An Pfingsten geschah das sogenannte Pfingstwunder“, sagt Herbert. Er schaut erwartungsvoll in die Runde. „Euch muss man alles vorbeten. Vom Himmel her kam ein Brausen und es erschienen ihnen Zungen von Feuer und die Jünger wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. Denkt mal drüber nach, ob ihr das irgendwie in Zusammenhang mit einem gonischen Besuch bringen könntet. Und wenn der Groschen je fällt, könnt ihr mich das ja freundlicherweise wissen lassen. Geht mal in die Kirche, wozu haben wir die erfunden?“

Den dreien dämmert etwas.

Eva und Herbert sind bei Carla und Thomas eingeladen. So ganz klassisch zum Abendessen.

„Herbert, was gibt`s Neues?“, fragt Thomas.

„Eva wird bald zu mir ziehen“, verkündet der glücksstrahlend. „Mann, das freut mich sehr für euch. Willst du es also versuchen mit dem angeblich schwedischen Gockel aus Goni.“ Herbert wendet sich beleidigt ab. „Du Hobby-Programmierer“, mault er.

„Mal langsam, ich habe beschlossen, Meyers-Rocke den Rocken, nein, den Rücken zu kehren. Aber ich habe einen Vertrag und den werde ich erfüllen. Das dauert also noch ein bisschen“, präzisiert Eva die Sache.

Thomas steht auf und umarmt zuerst sie, dann ihn. Das rührt Herbert offenbar, denn er schnieft ein wenig.

„Glückwunsch, Eva, und Glückwunsch, Alter!“

„Ich habe einen neuen Auftrag.“

„Lass hören!“

„Gonim machen schon lange Ferien auf der Erde, bisher nur vereinzelt Jetzt kommt das in Mode und es würden gerne wesentlich mehr von ihnen herkommen als bisher.“ Thomas starrt ihn an, muss schallend

lachen. „Was, Ferien? Am Strand von Malle und sich bräunen? Und abends ab in die Großraum-Disco, den Bierkönig, zum Komasaufen? Und wie kriegst du Aufträge aus Goni? Per Telefon?“

„Ja, ich bekomme Nachrichten aus Goni.“

„Die müssten bei 15 Lichtjahren ja 15 Jahre unterwegs sein“, meint Carla.

Herbert sieht die beiden überheblich an. „Ignoranten. Wir haben zwei neue Wurmlöcher gefunden. Jetzt dauert das nur noch ein paar Tage.“

„Aha, und du sollst jetzt Pauschalreisen organisieren, Malle, Phuket und Antalya?“, will Carla wissen.

„Nein, es geht um Kultur.“

„Bierkönig ist auch eine Art von Kultur.“

„Sei mal ernst.“

„Ich hasse es, ernst zu sein“, sagt Thomas. „Geht doch nach Griechenland, die können ein wenig Umsatz gut gebrauchen.“

„Hm, Griechenland wäre nicht schlecht“, meint Herbert.

„Ich verkaufe meine Firma, dann hätte ich ab sofort Zeit. Ich könnte ins Reisegeschäft einsteigen“, schlägt Thomas vor.

„Sie wollen auch Ski fahren.“

Jetzt lässt Thomas seinen Oberkörper mit Schwung auf den Tisch fallen. Ein Lachkrampf schüttelt ihn.

„Nackt? Das wird kalt.“ Der Tisch hat unter dem Aufprall verdächtig geknackt. Herbert sieht Thomas missbilligend an.

Der ist nicht mehr zu bremsen: „Da bin ich dabei, ich habe als Student die Skilehrerprüfung gemacht. Und wegen der Finanzierung rufe ich bei der Mafia an. Da können wir Geld waschen, oder braucht ihr eine Quittung fürs gonische Finanzamt?“

Thomas und Carla prusten. Er ist knallrot im Gesicht. Tränen fließen.

„Wir zahlen keine Steuern“, sagt Herbert todernst.

„Ein Film mit Jody Foster hieß Contact“, fällt Carla ein. Darin geht es um den ersten Kontakt zu Außerirdischen. Habe den damals gesehen. Erschien mir aber bedeutend weniger profan als das, was wir mit unserem Glückskeks aus dem All hier gerade erleben.“

Thomas haut noch einen raus. „Leute, wir steigen ins interstellare Reisegeschäft ein! Wir werden der interstellare Fernbus und wir werden sie grün anmalen, die Raumschiffchen. Aber wie bringen wir die Gonim hier her? Wie groß sind die eigentlich?“

„So um die 1,70 m.“

„Aha, etwa wie wir. Dazu müssten wir ja offiziell Kontakte herstellen. Wollen die das denn?“

Wie aus der Pistole geschossen, kommt die Antwort: „Nein, das wollen die zurzeit nicht. Und ich sage euch auch, warum. Denkt mal darüber nach. Wenn hier Gonim auftauchen, werden die Geheimdienste der Amis, der Russen und der Chinesen sie sofort schnappen, um aus ihnen alles rauszuquetschen, was ihr noch nicht wisst. Und das ist viel“, lacht er dreckig.

„Sind die Gonim empfindlich?“, fragt Thomas.

„Nein, das sind harte Typen.“

„Stimmt, hast du mal gesagt.“

„Wenn welche von der CIA oder dem russischen Geheimdienst gefoltert werden, müssten wir sie befreien, und dann reicht ein Funke für die Eskalation.“

„Und falls ihr mit großen Schiffen kommt?“

„Die sind nicht so unverwundbar wie in den Science-Fiction-Filmen. Ein Angriff von zehn Eurofightern mit Meteor- oder AMRAAM-Raketen würde reichen.“ Er macht eine bedeutsame Pause.

„Das Problem seid nicht ihr, das Problem sind wir“, muss Carla zugeben. „Die Menschen haben erstens Angst vor euch und zweitens ist die Menschheit untereinander so uneinig, eifersüchtig und neidisch. Die Russen würden alles machen, um den Amerikanern zuvorzukommen, und umgekehrt. Wenn da eine überlegene Zivilisation und vor allem Technologie auftaucht, dann will jeder sie unbedingt haben, koste es, was es wolle. Dann kannst du dich in die Südsee verkrümeln oder in die Schweiz, du hinderst die Geheimdienste nicht daran, dich zu holen. Die machen weltweit genau das, was sie wollen.“

Thomas fällt was ein:

„Wenn die Schusswaffen aber nicht mehr funktionieren, sieht wieder alles ganz anders aus. Jetzt verstehe ich, warum du die zerstören sollst.“

Herbert grinst vielsagend.

„Genau.“

Carlas Kopf wackelt bedenklich. Eva steht daneben und hört die ganze Zeit nur gebannt zu.

„Die Gonim waren übrigens schon öfter auf der Erde“, erklärt Herbert ihnen.

„Was? Wo? Wann?“

„Ja, ja, die W-Fragen. Um 2000 vor Christi Geburt waren wir das erste Mal in Ägypten. Damals haben wir noch auf Götter gemacht und die Ägypter sind drauf reingefallen. Da habe ich ein Video.“

„Du hast ein 4000 Jahre altes Video?“, fragt Carla entgeistert.

„Klar.“

„Hast du auch eins mit Jesus drauf?“

„Ja.“

Jetzt sackt sie auf das Sofa. „Der hat ein Video mit Jesus drauf! Was der Vatikan wohl dazu sagen würde. Wir könnten es auf ebay verscheuern.“

Eva sitzt jetzt mit offenem Mund da. Sie bleibt weiterhin stumm.

„Seit damals waren wir regelmäßig hier zu Gast. Bis heute. Letztes Jahr waren ein paar Gonim in Kanada zum Skifahren. Die waren im Nordwesten an einer ganz einsamen Stelle und haben da Tiefschneefahren geübt.“

„Wow, die müssen ja gut sein“, staunt Thomas.

„Klar, und wir brauchen keine Helikopter, wir haben ja Raumschiffchen, Skiraumschiffchen sozusagen“, prahlt er. „Kein Mensch hat etwas davon mitbekommen. Dann wollen sie natürlich auch segeln, surfen und kiten. Solche Aktivitäten sind auf Goni gerade groß in Mode. Und sie wollen reisen und alte Städte und Kulturdenkmäler besichtigen. Es kann dir übrigens seit Jahren passieren, dass du Gonim auf Reisen triffst. Achte mal auf Asiaten mit einem besonders blassen Teint. Die Gonim verkleiden sich ziemlich gut und treten immer in Gruppen auf. Sie sehen sowieso irgendwie asiatisch aus und benehmen sich auch so. Und im Münchner Hofbräuhaus hocken sie auch zusammen.“

Thomas kommt aus dem Staunen gar nicht mehr raus. „Aber Herbert, wie sprechen die denn, wenn sie es gar nicht können?“

„Das ist einfach.“

„Hätte mich auch sehr gewundert, wenn etwas mal nicht einfach gewesen wäre.“

„Wir haben so einen Übersetzer entwickelt mit 400 Sprachen drauf. Ist winzig. Das sorgt sogar dafür, dass die Mundbewegungen stimmen.“

„Mal angenommen, die Gonim und wir würden offiziell und friedlich zusammenkommen, würdet ihr dann alles preisgeben, was ihr wisst?“

„Auf gar keinen Fall. Wir sind viel weiter als ihr, und das bleibt so. Vielleicht schafft ihr es ja irgendwann bis zum Mars. So far from home.“ Er fängt an, ansteckend zu lachen, muss sich den Bauch halten.

„Die Amis wissen, dass es uns gibt. Zumindest einige von ihnen – Roswell, Area 51. Die haben da sogar ein altes Raumschiff von uns. Sie können nur nicht damit umgehen. Auch das ist schon gedankengesteuert, aber sie hatten noch nie das richtige Gehirn dazu. Die suchen heute noch nach dem Armaturenbrett und dem Gaspedal – Amis eben.“ Er macht eine kurze Pause. „Bald ist Pfingsten. Habt ihr schon mal darüber nachgedacht?“

Die drei schütteln den Kopf.

„Das ist ja der fünfzigste Tag nach der Auferstehung, gell?“

Thomas nickt.

„An Pfingsten geschah das sogenannte Pfingstwunder“, sagt Herbert. Er schaut erwartungsvoll in die Runde. „Euch muss man alles vorbeten. Vom Himmel her kam ein Brausen und es erschienen ihnen Zungen von Feuer und die Jünger wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. Denkt mal drüber nach, ob ihr das irgendwie in Zusammenhang mit einem gonischen Besuch bringen könntet. Und wenn der Groschen je fällt, könnt ihr mich das ja freundlicherweise wissen lassen. Geht mal in die Kirche, wozu haben wir die erfunden?“

Den dreien dämmert etwas.

Eva und Herbert sind bei Carla und Thomas eingeladen. So ganz klassisch zum Abendessen.

„Herbert, was gibt`s Neues?“, fragt Thomas.

„Eva wird bald zu mir ziehen“, verkündet der glücksstrahlend. „Mann, das freut mich sehr für euch. Willst du es also versuchen mit dem angeblich schwedischen Gockel aus Goni.“ Herbert wendet sich beleidigt ab. „Du Hobby-Programmierer“, mault er.

„Mal langsam, ich habe beschlossen, Meyers-Rocke den Rocken, nein, den Rücken zu kehren. Aber ich habe einen Vertrag und den werde ich erfüllen. Das dauert also noch ein bisschen“, präzisiert Eva die Sache.

Thomas steht auf und umarmt zuerst sie, dann ihn. Das rührt Herbert offenbar, denn er schnieft ein wenig.

„Glückwunsch, Eva, und Glückwunsch, Alter!“

„Ich habe einen neuen Auftrag.“

„Lass hören!“

„Gonim machen schon lange Ferien auf der Erde, bisher nur vereinzelt Jetzt kommt das in Mode und es würden gerne wesentlich mehr von ihnen herkommen als bisher.“ Thomas starrt ihn an, muss schallend

lachen. „Was, Ferien? Am Strand von Malle und sich bräunen? Und abends ab in die Großraum-Disco, den Bierkönig, zum Komasaufen? Und wie kriegst du Aufträge aus Goni? Per Telefon?“

„Ja, ich bekomme Nachrichten aus Goni.“

„Die müssten bei 15 Lichtjahren ja 15 Jahre unterwegs sein“, meint Carla.

Herbert sieht die beiden überheblich an. „Ignoranten. Wir haben zwei neue Wurmlöcher gefunden. Jetzt dauert das nur noch ein paar Tage.“

„Aha, und du sollst jetzt Pauschalreisen organisieren, Malle, Phuket und Antalya?“, will Carla wissen.

„Nein, es geht um Kultur.“

„Bierkönig ist auch eine Art von Kultur.“

„Sei mal ernst.“

„Ich hasse es, ernst zu sein“, sagt Thomas. „Geht doch nach Griechenland, die können ein wenig Umsatz gut gebrauchen.“

„Hm, Griechenland wäre nicht schlecht“, meint Herbert.

„Ich verkaufe meine Firma, dann hätte ich ab sofort Zeit. Ich könnte ins Reisegeschäft einsteigen“, schlägt Thomas vor.

„Sie wollen auch Ski fahren.“

Jetzt lässt Thomas seinen Oberkörper mit Schwung auf den Tisch fallen. Ein Lachkrampf schüttelt ihn.

„Nackt? Das wird kalt.“ Der Tisch hat unter dem Aufprall verdächtig geknackt. Herbert sieht Thomas missbilligend an.

Der ist nicht mehr zu bremsen: „Da bin ich dabei, ich habe als Student die Skilehrerprüfung gemacht. Und wegen der Finanzierung rufe ich bei der Mafia an. Da können wir Geld waschen, oder braucht ihr eine Quittung fürs gonische Finanzamt?“

Thomas und Carla prusten. Er ist knallrot im Gesicht. Tränen fließen.

„Wir zahlen keine Steuern“, sagt Herbert todernst.

„Ein Film mit Jody Foster hieß Contact“, fällt Carla ein. Darin geht es um den ersten Kontakt zu Außerirdischen. Habe den damals gesehen. Erschien mir aber bedeutend weniger profan als das, was wir mit unserem Glückskeks aus dem All hier gerade erleben.“

Thomas haut noch einen raus. „Leute, wir steigen ins interstellare Reisegeschäft ein! Wir werden der interstellare Fernbus und wir werden sie grün anmalen, die Raumschiffchen. Aber wie bringen wir die Gonim hier her? Wie groß sind die eigentlich?“

„So um die 1,70 m.“

„Aha, etwa wie wir. Dazu müssten wir ja offiziell Kontakte herstellen. Wollen die das denn?“

Wie aus der Pistole geschossen, kommt die Antwort: „Nein, das wollen die zurzeit nicht. Und ich sage euch auch, warum. Denkt mal darüber nach. Wenn hier Gonim auftauchen, werden die Geheimdienste der Amis, der Russen und der Chinesen sie sofort schnappen, um aus ihnen alles rauszuquetschen, was ihr noch nicht wisst. Und das ist viel“, lacht er dreckig.

„Sind die Gonim empfindlich?“, fragt Thomas.

„Nein, das sind harte Typen.“

„Stimmt, hast du mal gesagt.“

„Wenn welche von der CIA oder dem russischen Geheimdienst gefoltert werden, müssten wir sie befreien, und dann reicht ein Funke für die Eskalation.“

„Und falls ihr mit großen Schiffen kommt?“

„Die sind nicht so unverwundbar wie in den Science-Fiction-Filmen. Ein Angriff von zehn Eurofightern mit Meteor- oder AMRAAM-Raketen würde reichen.“ Er macht eine bedeutsame Pause.

„Das Problem seid nicht ihr, das Problem sind wir“, muss Carla zugeben. „Die Menschen haben erstens Angst vor euch und zweitens ist die Menschheit untereinander so uneinig, eifersüchtig und neidisch. Die Russen würden alles machen, um den Amerikanern zuvorzukommen, und umgekehrt. Wenn da eine überlegene Zivilisation und vor allem Technologie auftaucht, dann will jeder sie unbedingt haben, koste es, was es wolle. Dann kannst du dich in die Südsee verkrümeln oder in die Schweiz, du hinderst die Geheimdienste nicht daran, dich zu holen. Die machen weltweit genau das, was sie wollen.“

Thomas fällt was ein:

„Wenn die Schusswaffen aber nicht mehr funktionieren, sieht wieder alles ganz anders aus. Jetzt verstehe ich, warum du die zerstören sollst.“

Herbert grinst vielsagend.

„Genau.“

Carlas Kopf wackelt bedenklich. Eva steht daneben und hört die ganze Zeit nur gebannt zu.

„Die Gonim waren übrigens schon öfter auf der Erde“, erklärt Herbert ihnen.

„Was? Wo? Wann?“

„Ja, ja, die W-Fragen. Um 2000 vor Christi Geburt waren wir das erste Mal in Ägypten. Damals haben wir noch auf Götter gemacht und die Ägypter sind drauf reingefallen. Da habe ich ein Video.“

„Du hast ein 4000 Jahre altes Video?“, fragt Carla entgeistert.

„Klar.“

„Hast du auch eins mit Jesus drauf?“

„Ja.“

Jetzt sackt sie auf das Sofa. „Der hat ein Video mit Jesus drauf! Was der Vatikan wohl dazu sagen würde. Wir könnten es auf ebay verscheuern.“

Eva sitzt jetzt mit offenem Mund da. Sie bleibt weiterhin stumm.

„Seit damals waren wir regelmäßig hier zu Gast. Bis heute. Letztes Jahr waren ein paar Gonim in Kanada zum Skifahren. Die waren im Nordwesten an einer ganz einsamen Stelle und haben da Tiefschneefahren geübt.“

„Wow, die müssen ja gut sein“, staunt Thomas.

„Klar, und wir brauchen keine Helikopter, wir haben ja Raumschiffchen, Skiraumschiffchen sozusagen“, prahlt er. „Kein Mensch hat etwas davon mitbekommen. Dann wollen sie natürlich auch segeln, surfen und kiten. Solche Aktivitäten sind auf Goni gerade groß in Mode. Und sie wollen reisen und alte Städte und Kulturdenkmäler besichtigen. Es kann dir übrigens seit Jahren passieren, dass du Gonim auf Reisen triffst. Achte mal auf Asiaten mit einem besonders blassen Teint. Die Gonim verkleiden sich ziemlich gut und treten immer in Gruppen auf. Sie sehen sowieso irgendwie asiatisch aus und benehmen sich auch so. Und im Münchner Hofbräuhaus hocken sie auch zusammen.“

Thomas kommt aus dem Staunen gar nicht mehr raus. „Aber Herbert, wie sprechen die denn, wenn sie es gar nicht können?“

„Das ist einfach.“

„Hätte mich auch sehr gewundert, wenn etwas mal nicht einfach gewesen wäre.“

„Wir haben so einen Übersetzer entwickelt mit 400 Sprachen drauf. Ist winzig. Das sorgt sogar dafür, dass die Mundbewegungen stimmen.“

„Mal angenommen, die Gonim und wir würden offiziell und friedlich zusammenkommen, würdet ihr dann alles preisgeben, was ihr wisst?“

„Auf gar keinen Fall. Wir sind viel weiter als ihr, und das bleibt so. Vielleicht schafft ihr es ja irgendwann bis zum Mars. So far from home.“ Er fängt an, ansteckend zu lachen, muss sich den Bauch halten.

„Die Amis wissen, dass es uns gibt. Zumindest einige von ihnen – Roswell, Area 51. Die haben da sogar ein altes Raumschiff von uns. Sie können nur nicht damit umgehen. Auch das ist schon gedankengesteuert, aber sie hatten noch nie das richtige Gehirn dazu. Die suchen heute noch nach dem Armaturenbrett und dem Gaspedal – Amis eben.“ Er macht eine kurze Pause. „Bald ist Pfingsten. Habt ihr schon mal darüber nachgedacht?“

Die drei schütteln den Kopf.

„Das ist ja der fünfzigste Tag nach der Auferstehung, gell?“

Thomas nickt.

„An Pfingsten geschah das sogenannte Pfingstwunder“, sagt Herbert. Er schaut erwartungsvoll in die Runde. „Euch muss man alles vorbeten. Vom Himmel her kam ein Brausen und es erschienen ihnen Zungen von Feuer und die Jünger wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. Denkt mal drüber nach, ob ihr das irgendwie in Zusammenhang mit einem gonischen Besuch bringen könntet. Und wenn der Groschen je fällt, könnt ihr mich das ja freundlicherweise wissen lassen. Geht mal in die Kirche, wozu haben wir die erfunden?“

Den dreien dämmert etwas.

Eva und Herbert sind bei Carla und Thomas eingeladen. So ganz klassisch zum Abendessen.

„Herbert, was gibt`s Neues?“, fragt Thomas.

„Eva wird bald zu mir ziehen“, verkündet der glücksstrahlend. „Mann, das freut mich sehr für euch. Willst du es also versuchen mit dem angeblich schwedischen Gockel aus Goni.“ Herbert wendet sich beleidigt ab. „Du Hobby-Programmierer“, mault er.

„Mal langsam, ich habe beschlossen, Meyers-Rocke den Rocken, nein, den Rücken zu kehren. Aber ich habe einen Vertrag und den werde ich erfüllen. Das dauert also noch ein bisschen“, präzisiert Eva die Sache.

Thomas steht auf und umarmt zuerst sie, dann ihn. Das rührt Herbert offenbar, denn er schnieft ein wenig.

„Glückwunsch, Eva, und Glückwunsch, Alter!“

„Ich habe einen neuen Auftrag.“

„Lass hören!“

„Gonim machen schon lange Ferien auf der Erde, bisher nur vereinzelt Jetzt kommt das in Mode und es würden gerne wesentlich mehr von ihnen herkommen als bisher.“ Thomas starrt ihn an, muss schallend

lachen. „Was, Ferien? Am Strand von Malle und sich bräunen? Und abends ab in die Großraum-Disco, den Bierkönig, zum Komasaufen? Und wie kriegst du Aufträge aus Goni? Per Telefon?“

„Ja, ich bekomme Nachrichten aus Goni.“

„Die müssten bei 15 Lichtjahren ja 15 Jahre unterwegs sein“, meint Carla.

Herbert sieht die beiden überheblich an. „Ignoranten. Wir haben zwei neue Wurmlöcher gefunden. Jetzt dauert das nur noch ein paar Tage.“

„Aha, und du sollst jetzt Pauschalreisen organisieren, Malle, Phuket und Antalya?“, will Carla wissen.

„Nein, es geht um Kultur.“

„Bierkönig ist auch eine Art von Kultur.“

„Sei mal ernst.“

„Ich hasse es, ernst zu sein“, sagt Thomas. „Geht doch nach Griechenland, die können ein wenig Umsatz gut gebrauchen.“

„Hm, Griechenland wäre nicht schlecht“, meint Herbert.

„Ich verkaufe meine Firma, dann hätte ich ab sofort Zeit. Ich könnte ins Reisegeschäft einsteigen“, schlägt Thomas vor.

„Sie wollen auch Ski fahren.“

Jetzt lässt Thomas seinen Oberkörper mit Schwung auf den Tisch fallen. Ein Lachkrampf schüttelt ihn.

„Nackt? Das wird kalt.“ Der Tisch hat unter dem Aufprall verdächtig geknackt. Herbert sieht Thomas missbilligend an.

Der ist nicht mehr zu bremsen: „Da bin ich dabei, ich habe als Student die Skilehrerprüfung gemacht. Und wegen der Finanzierung rufe ich bei der Mafia an. Da können wir Geld waschen, oder braucht ihr eine Quittung fürs gonische Finanzamt?“

Thomas und Carla prusten. Er ist knallrot im Gesicht. Tränen fließen.

„Wir zahlen keine Steuern“, sagt Herbert todernst.

„Ein Film mit Jody Foster hieß Contact“, fällt Carla ein. Darin geht es um den ersten Kontakt zu Außerirdischen. Habe den damals gesehen. Erschien mir aber bedeutend weniger profan als das, was wir mit unserem Glückskeks aus dem All hier gerade erleben.“

Thomas haut noch einen raus. „Leute, wir steigen ins interstellare Reisegeschäft ein! Wir werden der interstellare Fernbus und wir werden sie grün anmalen, die Raumschiffchen. Aber wie bringen wir die Gonim hier her? Wie groß sind die eigentlich?“

„So um die 1,70 m.“

„Aha, etwa wie wir. Dazu müssten wir ja offiziell Kontakte herstellen. Wollen die das denn?“

Wie aus der Pistole geschossen, kommt die Antwort: „Nein, das wollen die zurzeit nicht. Und ich sage euch auch, warum. Denkt mal darüber nach. Wenn hier Gonim auftauchen, werden die Geheimdienste der Amis, der Russen und der Chinesen sie sofort schnappen, um aus ihnen alles rauszuquetschen, was ihr noch nicht wisst. Und das ist viel“, lacht er dreckig.

„Sind die Gonim empfindlich?“, fragt Thomas.

„Nein, das sind harte Typen.“

„Stimmt, hast du mal gesagt.“

„Wenn welche von der CIA oder dem russischen Geheimdienst gefoltert werden, müssten wir sie befreien, und dann reicht ein Funke für die Eskalation.“

„Und falls ihr mit großen Schiffen kommt?“

„Die sind nicht so unverwundbar wie in den Science-Fiction-Filmen. Ein Angriff von zehn Eurofightern mit Meteor- oder AMRAAM-Raketen würde reichen.“ Er macht eine bedeutsame Pause.

„Das Problem seid nicht ihr, das Problem sind wir“, muss Carla zugeben. „Die Menschen haben erstens Angst vor euch und zweitens ist die Menschheit untereinander so uneinig, eifersüchtig und neidisch. Die Russen würden alles machen, um den Amerikanern zuvorzukommen, und umgekehrt. Wenn da eine überlegene Zivilisation und vor allem Technologie auftaucht, dann will jeder sie unbedingt haben, koste es, was es wolle. Dann kannst du dich in die Südsee verkrümeln oder in die Schweiz, du hinderst die Geheimdienste nicht daran, dich zu holen. Die machen weltweit genau das, was sie wollen.“

Thomas fällt was ein:

„Wenn die Schusswaffen aber nicht mehr funktionieren, sieht wieder alles ganz anders aus. Jetzt verstehe ich, warum du die zerstören sollst.“

Herbert grinst vielsagend.

„Genau.“

Carlas Kopf wackelt bedenklich. Eva steht daneben und hört die ganze Zeit nur gebannt zu.

„Die Gonim waren übrigens schon öfter auf der Erde“, erklärt Herbert ihnen.

„Was? Wo? Wann?“

„Ja, ja, die W-Fragen. Um 2000 vor Christi Geburt waren wir das erste Mal in Ägypten. Damals haben wir noch auf Götter gemacht und die Ägypter sind drauf reingefallen. Da habe ich ein Video.“

„Du hast ein 4000 Jahre altes Video?“, fragt Carla entgeistert.

„Klar.“

„Hast du auch eins mit Jesus drauf?“

„Ja.“

Jetzt sackt sie auf das Sofa. „Der hat ein Video mit Jesus drauf! Was der Vatikan wohl dazu sagen würde. Wir könnten es auf ebay verscheuern.“

Eva sitzt jetzt mit offenem Mund da. Sie bleibt weiterhin stumm.

„Seit damals waren wir regelmäßig hier zu Gast. Bis heute. Letztes Jahr waren ein paar Gonim in Kanada zum Skifahren. Die waren im Nordwesten an einer ganz einsamen Stelle und haben da Tiefschneefahren geübt.“

„Wow, die müssen ja gut sein“, staunt Thomas.

„Klar, und wir brauchen keine Helikopter, wir haben ja Raumschiffchen, Skiraumschiffchen sozusagen“, prahlt er. „Kein Mensch hat etwas davon mitbekommen. Dann wollen sie natürlich auch segeln, surfen und kiten. Solche Aktivitäten sind auf Goni gerade groß in Mode. Und sie wollen reisen und alte Städte und Kulturdenkmäler besichtigen. Es kann dir übrigens seit Jahren passieren, dass du Gonim auf Reisen triffst. Achte mal auf Asiaten mit einem besonders blassen Teint. Die Gonim verkleiden sich ziemlich gut und treten immer in Gruppen auf. Sie sehen sowieso irgendwie asiatisch aus und benehmen sich auch so. Und im Münchner Hofbräuhaus hocken sie auch zusammen.“

Thomas kommt aus dem Staunen gar nicht mehr raus. „Aber Herbert, wie sprechen die denn, wenn sie es gar nicht können?“

„Das ist einfach.“

„Hätte mich auch sehr gewundert, wenn etwas mal nicht einfach gewesen wäre.“

„Wir haben so einen Übersetzer entwickelt mit 400 Sprachen drauf. Ist winzig. Das sorgt sogar dafür, dass die Mundbewegungen stimmen.“

„Mal angenommen, die Gonim und wir würden offiziell und friedlich zusammenkommen, würdet ihr dann alles preisgeben, was ihr wisst?“

„Auf gar keinen Fall. Wir sind viel weiter als ihr, und das bleibt so. Vielleicht schafft ihr es ja irgendwann bis zum Mars. So far from home.“ Er fängt an, ansteckend zu lachen, muss sich den Bauch halten.

„Die Amis wissen, dass es uns gibt. Zumindest einige von ihnen – Roswell, Area 51. Die haben da sogar ein altes Raumschiff von uns. Sie können nur nicht damit umgehen. Auch das ist schon gedankengesteuert, aber sie hatten noch nie das richtige Gehirn dazu. Die suchen heute noch nach dem Armaturenbrett und dem Gaspedal – Amis eben.“ Er macht eine kurze Pause. „Bald ist Pfingsten. Habt ihr schon mal darüber nachgedacht?“

Die drei schütteln den Kopf.

„Das ist ja der fünfzigste Tag nach der Auferstehung, gell?“

Thomas nickt.

„An Pfingsten geschah das sogenannte Pfingstwunder“, sagt Herbert. Er schaut erwartungsvoll in die Runde. „Euch muss man alles vorbeten. Vom Himmel her kam ein Brausen und es erschienen ihnen Zungen von Feuer und die Jünger wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. Denkt mal drüber nach, ob ihr das irgendwie in Zusammenhang mit einem gonischen Besuch bringen könntet. Und wenn der Groschen je fällt, könnt ihr mich das ja freundlicherweise wissen lassen. Geht mal in die Kirche, wozu haben wir die erfunden?“

Den dreien dämmert etwas.

Eva und Herbert sind bei Carla und Thomas eingeladen. So ganz klassisch zum Abendessen.

„Herbert, was gibt`s Neues?“, fragt Thomas.

„Eva wird bald zu mir ziehen“, verkündet der glücksstrahlend. „Mann, das freut mich sehr für euch. Willst du es also versuchen mit dem angeblich schwedischen Gockel aus Goni.“ Herbert wendet sich beleidigt ab. „Du Hobby-Programmierer“, mault er.

„Mal langsam, ich habe beschlossen, Meyers-Rocke den Rocken, nein, den Rücken zu kehren. Aber ich habe einen Vertrag und den werde ich erfüllen. Das dauert also noch ein bisschen“, präzisiert Eva die Sache.

Thomas steht auf und umarmt zuerst sie, dann ihn. Das rührt Herbert offenbar, denn er schnieft ein wenig.

„Glückwunsch, Eva, und Glückwunsch, Alter!“

„Ich habe einen neuen Auftrag.“

„Lass hören!“

„Gonim machen schon lange Ferien auf der Erde, bisher nur vereinzelt Jetzt kommt das in Mode und es würden gerne wesentlich mehr von ihnen herkommen als bisher.“ Thomas starrt ihn an, muss schallend

lachen. „Was, Ferien? Am Strand von Malle und sich bräunen? Und abends ab in die Großraum-Disco, den Bierkönig, zum Komasaufen? Und wie kriegst du Aufträge aus Goni? Per Telefon?“

„Ja, ich bekomme Nachrichten aus Goni.“

„Die müssten bei 15 Lichtjahren ja 15 Jahre unterwegs sein“, meint Carla.

Herbert sieht die beiden überheblich an. „Ignoranten. Wir haben zwei neue Wurmlöcher gefunden. Jetzt dauert das nur noch ein paar Tage.“

„Aha, und du sollst jetzt Pauschalreisen organisieren, Malle, Phuket und Antalya?“, will Carla wissen.

„Nein, es geht um Kultur.“

„Bierkönig ist auch eine Art von Kultur.“

„Sei mal ernst.“

„Ich hasse es, ernst zu sein“, sagt Thomas. „Geht doch nach Griechenland, die können ein wenig Umsatz gut gebrauchen.“

„Hm, Griechenland wäre nicht schlecht“, meint Herbert.

„Ich verkaufe meine Firma, dann hätte ich ab sofort Zeit. Ich könnte ins Reisegeschäft einsteigen“, schlägt Thomas vor.

„Sie wollen auch Ski fahren.“

Jetzt lässt Thomas seinen Oberkörper mit Schwung auf den Tisch fallen. Ein Lachkrampf schüttelt ihn.

„Nackt? Das wird kalt.“ Der Tisch hat unter dem Aufprall verdächtig geknackt. Herbert sieht Thomas missbilligend an.

Der ist nicht mehr zu bremsen: „Da bin ich dabei, ich habe als Student die Skilehrerprüfung gemacht. Und wegen der Finanzierung rufe ich bei der Mafia an. Da können wir Geld waschen, oder braucht ihr eine Quittung fürs gonische Finanzamt?“

Thomas und Carla prusten. Er ist knallrot im Gesicht. Tränen fließen.

„Wir zahlen keine Steuern“, sagt Herbert todernst.

„Ein Film mit Jody Foster hieß Contact“, fällt Carla ein. Darin geht es um den ersten Kontakt zu Außerirdischen. Habe den damals gesehen. Erschien mir aber bedeutend weniger profan als das, was wir mit unserem Glückskeks aus dem All hier gerade erleben.“

Thomas haut noch einen raus. „Leute, wir steigen ins interstellare Reisegeschäft ein! Wir werden der interstellare Fernbus und wir werden sie grün anmalen, die Raumschiffchen. Aber wie bringen wir die Gonim hier her? Wie groß sind die eigentlich?“

„So um die 1,70 m.“

„Aha, etwa wie wir. Dazu müssten wir ja offiziell Kontakte herstellen. Wollen die das denn?“

Wie aus der Pistole geschossen, kommt die Antwort: „Nein, das wollen die zurzeit nicht. Und ich sage euch auch, warum. Denkt mal darüber nach. Wenn hier Gonim auftauchen, werden die Geheimdienste der Amis, der Russen und der Chinesen sie sofort schnappen, um aus ihnen alles rauszuquetschen, was ihr noch nicht wisst. Und das ist viel“, lacht er dreckig.

„Sind die Gonim empfindlich?“, fragt Thomas.

„Nein, das sind harte Typen.“

„Stimmt, hast du mal gesagt.“

„Wenn welche von der CIA oder dem russischen Geheimdienst gefoltert werden, müssten wir sie befreien, und dann reicht ein Funke für die Eskalation.“

„Und falls ihr mit großen Schiffen kommt?“

„Die sind nicht so unverwundbar wie in den Science-Fiction-Filmen. Ein Angriff von zehn Eurofightern mit Meteor- oder AMRAAM-Raketen würde reichen.“ Er macht eine bedeutsame Pause.

„Das Problem seid nicht ihr, das Problem sind wir“, muss Carla zugeben. „Die Menschen haben erstens Angst vor euch und zweitens ist die Menschheit untereinander so uneinig, eifersüchtig und neidisch. Die Russen würden alles machen, um den Amerikanern zuvorzukommen, und umgekehrt. Wenn da eine überlegene Zivilisation und vor allem Technologie auftaucht, dann will jeder sie unbedingt haben, koste es, was es wolle. Dann kannst du dich in die Südsee verkrümeln oder in die Schweiz, du hinderst die Geheimdienste nicht daran, dich zu holen. Die machen weltweit genau das, was sie wollen.“

Thomas fällt was ein:

„Wenn die Schusswaffen aber nicht mehr funktionieren, sieht wieder alles ganz anders aus. Jetzt verstehe ich, warum du die zerstören sollst.“

Herbert grinst vielsagend.

„Genau.“

Carlas Kopf wackelt bedenklich. Eva steht daneben und hört die ganze Zeit nur gebannt zu.

„Die Gonim waren übrigens schon öfter auf der Erde“, erklärt Herbert ihnen.

„Was? Wo? Wann?“

„Ja, ja, die W-Fragen. Um 2000 vor Christi Geburt waren wir das erste Mal in Ägypten. Damals haben wir noch auf Götter gemacht und die Ägypter sind drauf reingefallen. Da habe ich ein Video.“

„Du hast ein 4000 Jahre altes Video?“, fragt Carla entgeistert.

„Klar.“

„Hast du auch eins mit Jesus drauf?“

„Ja.“

Jetzt sackt sie auf das Sofa. „Der hat ein Video mit Jesus drauf! Was der Vatikan wohl dazu sagen würde. Wir könnten es auf ebay verscheuern.“

Eva sitzt jetzt mit offenem Mund da. Sie bleibt weiterhin stumm.

„Seit damals waren wir regelmäßig hier zu Gast. Bis heute. Letztes Jahr waren ein paar Gonim in Kanada zum Skifahren. Die waren im Nordwesten an einer ganz einsamen Stelle und haben da Tiefschneefahren geübt.“

„Wow, die müssen ja gut sein“, staunt Thomas.

„Klar, und wir brauchen keine Helikopter, wir haben ja Raumschiffchen, Skiraumschiffchen sozusagen“, prahlt er. „Kein Mensch hat etwas davon mitbekommen. Dann wollen sie natürlich auch segeln, surfen und kiten. Solche Aktivitäten sind auf Goni gerade groß in Mode. Und sie wollen reisen und alte Städte und Kulturdenkmäler besichtigen. Es kann dir übrigens seit Jahren passieren, dass du Gonim auf Reisen triffst. Achte mal auf Asiaten mit einem besonders blassen Teint. Die Gonim verkleiden sich ziemlich gut und treten immer in Gruppen auf. Sie sehen sowieso irgendwie asiatisch aus und benehmen sich auch so. Und im Münchner Hofbräuhaus hocken sie auch zusammen.“

Thomas kommt aus dem Staunen gar nicht mehr raus. „Aber Herbert, wie sprechen die denn, wenn sie es gar nicht können?“

„Das ist einfach.“

„Hätte mich auch sehr gewundert, wenn etwas mal nicht einfach gewesen wäre.“

„Wir haben so einen Übersetzer entwickelt mit 400 Sprachen drauf. Ist winzig. Das sorgt sogar dafür, dass die Mundbewegungen stimmen.“

„Mal angenommen, die Gonim und wir würden offiziell und friedlich zusammenkommen, würdet ihr dann alles preisgeben, was ihr wisst?“

„Auf gar keinen Fall. Wir sind viel weiter als ihr, und das bleibt so. Vielleicht schafft ihr es ja irgendwann bis zum Mars. So far from home.“ Er fängt an, ansteckend zu lachen, muss sich den Bauch halten.

„Die Amis wissen, dass es uns gibt. Zumindest einige von ihnen – Roswell, Area 51. Die haben da sogar ein altes Raumschiff von uns. Sie können nur nicht damit umgehen. Auch das ist schon gedankengesteuert, aber sie hatten noch nie das richtige Gehirn dazu. Die suchen heute noch nach dem Armaturenbrett und dem Gaspedal – Amis eben.“ Er macht eine kurze Pause. „Bald ist Pfingsten. Habt ihr schon mal darüber nachgedacht?“

Die drei schütteln den Kopf.

„Das ist ja der fünfzigste Tag nach der Auferstehung, gell?“

Thomas nickt.

„An Pfingsten geschah das sogenannte Pfingstwunder“, sagt Herbert. Er schaut erwartungsvoll in die Runde. „Euch muss man alles vorbeten. Vom Himmel her kam ein Brausen und es erschienen ihnen Zungen von Feuer und die Jünger wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. Denkt mal drüber nach, ob ihr das irgendwie in Zusammenhang mit einem gonischen Besuch bringen könntet. Und wenn der Groschen je fällt, könnt ihr mich das ja freundlicherweise wissen lassen. Geht mal in die Kirche, wozu haben wir die erfunden?“

Den dreien dämmert etwas.

Dukatenscheißer   (Kapitel aus der Mitte, da wo der Erpresser selbst erpresst wird)

Olli staunt ein wenig über sich selbst. Er zermartert sich zwar immer noch jeden Tag mindestens drei Stunden lang den Kopf, wie er aus der Sache herauskommen könnte – und zwar am liebsten unbeschadet. Aber es will ihm nichts einfallen. Auf der anderen Seite hat er sich in den letzten paar Tagen an seinen neuen Job gewöhnt. So schnell geht das. Die letzten drei Übergaben sind völlig problemlos abgelaufen. Er beginnt zu glauben, seine Methode sei tatsächlich genial. Aber immer, wenn solche Gedanken auftauchen, mahnt er sich selbst zur Vorsicht. Sein ernüchterndes Fazit der Situation ist: Ich bin für Kneller das beste Geschäft seines Lebens und er macht sich nicht mal die Finger schmutzig. Allerdings hat Olli kurz danach zu sich selbst auch gesagt: Meine einzige Waffe ist, dass ich schlauer bin als er. Nur hat diese Gewissheit bisher leider nichts gebracht.

Wenn er Kneller anzeigt, hängt er selbst mit drin. Er könnte Kneller umbringen oder umbringen lassen. Sollten sie ihn dabei erwischen, ist es ziemlich endgültig aus. Mit Anfang 50 käme er aus dem Gefängnis wieder raus. Wenn er einfach nicht mitspielen würde, könnte Kneller seiner Schwester oder deren Tochter oder jemand anderem was antun. Olli sitzt am kürzeren Hebel. Diese teuflische Mafia-Methode läuft ganz einfach so: „Ich weiß, wo deine Kinder in die Schule gehen.

Kneller hat bestimmt jede Menge Dreck am Stecken. Möglicherweise könnte Olli ihn mit einem anderen Delikt erpressen. Das wäre eine Option, dazu müsste er das aber erst herausfinden. 

Weiter fällt dem Olli nichts ein. Er ist ein Dukatenscheißer erster Güte für Kneller. Er ist sein Sklave – und das wird auch so bleiben, wenn nichts passiert. Vielleicht gibt es eine Lösung, aber er sieht sie nicht. Es ist ein Duell zwischen Kneller und ihm und er ist der Verlierer, denn Kneller ist allemal härter und brutaler. Also wird er weiter erpressen und er ist sich sicher, dass sie ihn eines Tages erwischen werden. 

Am folgenden Wochenende macht Olli noch drei Übergaben, die alle perfekt funktionieren. Er bringt Kneller das Geld. Eigentlich müsste Kneller ihm gar nichts abgeben. Warum tut er das? Vielleicht ist das Ausdruck der Tatsache, dass er doch irgendwo unsicher ist. 

Kneller grapscht sich das Geldbündel an der Eingangstür vom Puff. Er lässt ihn nicht mal mehr rein. Allerdings vermisst Olli das auch nicht. 

„Ab sofort machst du fünf Übergaben pro Woche, das dauert zu lange.“ 

Er knallt die Tür zu und lässt Olli einfach stehen. 

Zu Ollis eigenem Erstaunen klappen die fünf Übergaben in der nächsten Woche reibungslos. Er bringt das Geld zu Kneller.

„Ab sofort zehn pro Woche.“ 

Olli will was sagen, doch die Tür ist schon zu. 

Er fühlt sich hilflos. Aber er hat sich ja alles selbst eingebrockt. Auch diese zehn Übergaben klappen einwandfrei. Er bringt das Geld zu Kneller und der erhöht das Pensum zu seinem Erstaunen nicht. 

„Braver Junge.“

Olli geht nach Hause und zählt das Geld aus den Erpressungen für Kneller. Er kommt auf ungefähr 700.000. Dann hat der Kneller jetzt also etwa drei Millionen. Olli denkt wieder über einen Auftragsmord nach. Oder soll er doch zur Polizei gehen? Er hat auch schon über eine Selbstanzeige nachgedacht, könnte ja sein, dass er mildernde Umstände bekäme, und auf Erpressung gibt es nach seinen Informationen bloß fünf Jahre – aber es gibt auch die räuberische Erpressung und dafür gibt es mehr.

Das Gefühl der Hilflosigkeit wird immer schlimmer. Olli würde sich gerne von dem Geld trennen, er würde fast alles für seine Ruhe geben. Aber nein, er hat die nächsten zehn Fälle schon wieder am Laufen. In drei Tagen wird er über eine Million mehr verfügen. Die zehn Übergaben pro Woche sind kaum zu schaffen. Er muss zuerst alle erreichen, was nie auf Anhieb klappt. Dann macht er die Termine. Er muss die Drohnen aufladen. Ab und zu gibt es einen Defekt. Mit An- und Abfahrt braucht er pro Übergabe so an die drei Stunden. Olli ist an seine Grenzen angelangt. Physisch und psychisch schon lange. Mittlerweile lässt er den Sprinter schon in der Nähe von Franzis Haus stehen, für lange Fußwege hat er keine Zeit mehr. Den Kastenwagen hat er für einen Monat gemietet.

Die nächste Übergabe läuft anfänglich bei schönstem Frühsommerwetter bestens ab. Eine gewisse Routine ist da. Nervös ist er dennoch. Olli lässt die Drohne langsam einschweben, er hat jetzt ziemlich viel Übung. Sie setzt auf, er nimmt die Leistung weg. Auf dem Monitor sieht man, wie sie aufsetzt, jetzt steht sie auf festem Boden. Er ruft das Opfer an, der Mann meldet sich. Olli erklärt, wie er die Geldbündel auf die Drohne packen soll. Der hier scheint etwas begriffsstutzig zu sein. 

„Wie soll ich das Geld befestigen? Und wo ist das? Ich sehe nichts.“ 

Auf dem Monitor sieht Olli die Hosenbeine seines Opfers. 

„So, jetzt habe ich es gefunden. Jetzt ist es fertig, alles verpackt.“ 

Er steht neben dem gemieteten Sprinter. Sein Standort ist ziemlich nah bei dem des aktuellen Opfers. Das hat den Vorteil, dass der Flug der Drohne kurz ist.

Olli gibt Gas. Eigentlich ist es ja kein Gas, sondern der Batteriestrom der Drohne. Auf dem Monitor sieht er keine Bewegung, Olli dreht weiter auf, die Drohne hebt langsam ab. Auf dem Monitor sieht Olli, wie langsam die Hose und das Sakko des Opfers vorbeiziehen. Irgendwas ist komisch, die Drohne reagiert nicht wie gewohnt auf Steuerbefehle und sie hebt viel zu langsam ab. Dann sieht er auf dem Monitor ein Gesicht auftauchen. Mann, was für ein hässlicher Kerl, feist, wirre Haare, unrasiert. Das Gesicht grinst höhnisch. Neben dem Gesicht sieht man die Hand mit dem Handy. 

„Jetzt hör mir mal zu, du ausgefranstes Arschloch. Ich zahle dir gar nichts, das Teil hier behalte ich, und wenn du dich traust, mich beim Finanzamt anzuschwärzen, dann steh ich mit der Drohne und den mitgeschnittenen Handy-Gesprächen bei der Polizei. Vielleicht bekommen wir im Knast dieselbe Zelle, da kannst du dich schon mal auf was gefasst machen“, sagt das Gesicht. 

Olli sieht noch ein paar Hände vor der Kamera, dann ist es dunkel, kein Ton mehr. Da hat der Typ wohl den Stecker gezogen oder vielmehr das Kabel abgerissen. Olli schüttelt sich nur kurz. Da muss er eben wieder neue Drohnen besorgen.

Von dieser Panne hat Olli sich schnell erholt. Die nächsten drei Übergaben laufen wie geschmiert. An einem Dienstag um drei Uhr nachmittags hat er die zweite an diesem Tag. Er fährt zu einer anderen Stelle. Die Drohne startet, sie kommt zurück, das Geld liegt drin, alles bestens. Olli packt sie ein und fährt mit dem Sprinter zu einem Parkplatz, etwa einen Kilometer entfernt von Franzis Haus. Er steigt aus und nimmt das Geld aus der Drohne. 

Dabei fällt aus dem Geldbündel etwas raus, was da nicht reingehört. Er hebt es auf. Es ist ein ganz stinknormaler GPS-Tracker. Mein Gott, jetzt haben sie seinen Standort! Er will den Sprinter nehmen und abhauen. Da hört er einen näher kommenden hochdrehenden Automotor. Er nimmt an, der Motor gehört zu einem Auto, in dem seine Jäger sitzen. Wenn er den Sprinter nimmt, dann ist er das einzige Auto, das herumfährt.

Das hier ist eine ruhige Straße in einem Wohngebiet. Es gibt viele alte Häuschen aus den 70er- und 80er-Jahren, Tomatenbeete im Vorgarten, nicht schön, aber gemütlich. Allerdings befindet sich schon das eine oder andere moderne Haus zwischen den alten Hütten. Das ist die Folge des knappen Wohnraums in den Großstädten. Nach und nach werden alle Stadteile von Neubauten erobert. Aber für solche Gedanken hat er jetzt keine Zeit. 

Den Sprinter lässt er stehen. Er legt die Drohne hinten so rein, dass man sie durch die Scheiben nicht sehen kann. Dann wirft er sich den Rucksack über die Schulter, sieht noch mal in den Sprinter, ob er was vergessen hat. Nichts da. Er schließt das Auto ab. Zum Glück hat der so einen Funkschlüssel. Hat ihm ein paar Sekunden gebracht. Das Auto steht ganz normal am Straßenrand zwischen anderen. Da gibt es noch ähnliche Transporter mit Stuttgarter Kennzeichen. Der fällt nicht auf. Den Tracker hat er in der Jackentasche. 

Olli sieht sich um. Das Motorengeräusch wird lauter. Schräg gegenüber gibt es einen schmalen Durchgang zwischen zwei Häusern. Rechts ein Jägerzaun, links ein Jägerzaun. Alles schön spießig. Da geht er rein. Auf beiden Seiten ist hinter dem Jägerzaun eine Hecke. Sobald er auf der Höhe der Hecke ist, rennt er gebückt los. Am anderen Ende der Kombination aus Hecke und Jägerzaun schlägt er einen Haken nach rechts. Hinter sich hört er den Motor. Die sind jetzt sehr nah. 

Er überlegt gerade, ob sie anhalten, aussteigen und ihn zu Fuß verfolgen werden, als sich ihm von rechts das große Glück nähert. Es ist ein Transporter mit Pritsche und der Aufschrift eines Bauunternehmens. Drin sitzen zwei Typen, die ziemlich kräftig aussehen. Das Motorengeräusch seiner mutmaßlichen Verfolger ist immer lauter geworden, während er zwischen den Jägerzäunen entlanggelaufen ist. Nachdem er um die Ecke war, ist es schlagartig leiser geworden. Klingt nach Vollbremsung. Jetzt ist die Pritsche neben ihm und er wirft den Tracker hinten drauf. Olli geht flott ein paar Schritte weiter. Er passiert so einen ähnlichen Kastenwagen wie seinen und macht einen schnellen Schritt hinter ihn. Hier hat er etwas Deckung. Er linst um die Ecke des Kastenwagens zurück. 

Da sind sie. Zwei Kerle mit Lederjacken, Rockerfrisuren und Tattoos biegen um die letzte Ecke, schauen nach links, schauen nach rechts. Der eine hält ein Handy in der Hand und schaut drauf. Er zeigt in die entgegengesetzte Richtung. Dann rennen sie zurück. Klar, die sehen das Signal schnell verschwinden und gehen davon aus, dass er mit einem Auto türmt. 

Olli nimmt sein Prepaid-Handy raus und sucht nach dem Namen des Baugeschäfts, der auf dem Transporter draufstand. Er ruft dort an. 

„Zwei Ihrer Leute fahren mit einem Mercedes-Pritschenwagen durch die Birkenstraße in Kornwestheim. Die haben einen Tracker hintendrauf. Warnen Sie sie und rufen Sie die Polizei an. Die beiden werden verfolgt.“ 

So, mehr kann er nicht tun. Er will keine unschuldigen Opfer. Die können den Tracker ruhig finden, er hat Handschuhe getragen. 

Einer spontanen Eingebung folgend, läuft Olli die Birkenstraße entlang Richtung Norden und wechselt an der nächsten Kreuzung auf die Stuttgarter Straße. Er hat nicht damit gerechnet, aber einige Minuten später bietet sich ihm ein sehenswertes Schauspiel, besser als jeder Tatort im Fernsehen. 

Die Stuttgarter Straße ist ziemlich belebt. Aber es ist unmöglich, den in die höchstmöglichen Drehzahlen gequälten Motor des leicht altersschwachen Mercedes-Pritschenwagens zu überhören, der hinter ihm ankommt. Olli bleibt stehen und dreht sich um. 

Mit mindestens 70 Sachen kommt die Karre angebraust. Dahinter drängelt so ein fetter Chrysler. Ein solches Modell wird gerne von Leuten benutzt, die was hermachen wollen, aber das Geld dazu eigentlich nicht haben. Der hier hat auch noch abgedunkelte Scheiben und extrem dicke Reifen. Fehlt eigentlich nur der Fuchsschwanz. Drinnen sitzen die beiden Burschen von eben. Der Chrysler hängt dem Mercedes fast auf der Stoßstange. Jetzt versucht er sogar zu überholen. Klappt aber nicht, weil die Herren vom Bau nach links ziehen und ein paar Autos entgegenkommen. Olli grinst. Die Bauarbeiter haben Nerven und Ortskenntnis. 

Weiter vorne ist so ein kantiges Haus. Aus dem Haus laufen gerade im gestreckten Galopp ein paar Leute heraus. Sie tragen alle die gleichen dunklen Klamotten. Der Pritschenwagen bremst bei dem Haus scharf und fährt rechts ran. Das ist das Polizeirevier Kornwestheim. Die Kostüme der Herren und Damen entpuppen sich bei näherem Hinsehen als Uniformen. Der Chrysler bremst auch und der Fahrer merkt zu spät, dass das ein Fehler war, als drei Polizeibeamte mit Waffen in der Hand auf die Straße treten. Da bleibt ihnen nichts anderes mehr übrig, als anzuhalten und auszusteigen. Dumm gelaufen. 

Olli lacht sich scheckig – mitten auf der Straße.

An der Ecke gibt es ein Straßencafe. Olli setzt sich draußen so hin, dass er den Fortgang der Aktion beobachten kann. Er bestellt einen Cappuccino bei der hübschen Kellnerin.

Danach kauft er sich in einem Kiosk an der nächsten Ecke noch einen „Spiegel“ und geht zu Fuß zu Franzi. Den Sprinter lässt er stehen, wo er ist.

easyJet   (hier geht es dem schlimmsten Bösewicht langsam an den Kragen)

Kneller sitzt im Puff. Er ist zornig, sehr zornig. Er erwartet unangenehmen Besuch. 

Zuerst hat er erkannt, dass es schlau ist, die Autobahn zwischen sich und den Ort der Abholung durch die Drohne zu legen. Das erschwert einem eventuellen Verfolger die Sache gewaltig. Für die kommenden Aktionen hat er dauerhaft einen Mercedes-Sprinter angemietet. Dann ist er mit diesem „Scheißhobel“ von Sprinter stundenlang auf der Suche nach einem geeigneten Gelände in der Gegend herumgefahren. Am Ende hat er sich noch einen Anschiss von einem Förster eingefangen. Nachdem der ihn hat laufen lassen, hat er in dem Sprinter die Sonnenblende abgerissen und sie aus dem Fenster geworfen.

„Die isch für dich, du Förschter vom Silberwald!“, hat er gebrüllt. 

Aber er hat auf diese Art einen sehr geeigneten Platz in der Nähe eines Wäldchens in Echterdingen gefunden. Heute früh hat er die Kinesen dahin zum Üben gebracht. Er selbst ist zum Grillplatz gefahren.

Dort angekommen hat er Nawin per Handy zum Starten aufgefordert. Nawin hat die Drohne aufsteigen lassen. Er hat sie in einem schönen weiten Bogen zum Zielgebiet gesteuert. Damit er das Ziel auch sicher findet, ist er ziemlich hoch geflogen. Er hat Angst vor diesem Kneller. In Thailand haben sie gesagt, der sei sehr nett, aber hier sieht das anders aus.

Die Piloten von easyJet-Flug EZY 7581 aus Porto staunten nicht schlecht, als ihnen kurz vor dem Aufsetzen am Flughafen Stuttgart um genau 10:41 Uhr eine Drohne begegnete. Die Drohne zischte etwa zehn Meter unterhalb des Backbordtriebwerks des Airbus A320-200 durch. Das ist von hinten aus gesehen das linke. Dabei kam sie massiv ins Trudeln. Da der Copilot die Landung durchführte, blickte der erschrockene Flugkapitän der Drohne kurz nach und entdeckte unten am Waldrand zwei Figuren. Dies teilten die Piloten nach der Landung dem Tower mit, der sofort die Polizei alarmierte. 

Bereits fünf Minuten danach waren zwei Streifenwagen unterwegs. Die fuhren stramm auf den Waldrand zu und sahen schon von Weitem zwei Gestalten auf der Wiese am Waldrand auf einen Punkt zu rennen, der, wie sich hinterher herausstellte, die Absturzstelle der Drohne war. Den Beamten kam noch ein dritter Streifenwagen zu Hilfe und so konnten sie zwei verängstigte thailändische Staatsbürger festnehmen und eine ziemlich ramponierte Drohne sicherstellen. Der eine der Thais sprach ein wenig Deutsch, in dem er darum flehte, nicht geschlagen zu werden. Sie hatten ihre Pässe bei sich, anhand derer man später feststellen konnte, dass die darin enthaltenen Visa gefälscht waren. Zudem stellte sich später heraus, dass die beiden Herren sich auf Einladung eines gewissen Wilfried Kneller in Deutschland befinden. 

Kneller hat derweil am Grillplatz gewartet. Nach einer gewissen Zeit hat er Trang angerufen und ohne Vorwarnung in das Handy reingebellt, wo die Scheißdrohne denn nun bleibe. Sehr verwundert war er darüber, dass ein Polizeiobermeister Häberle sich meldete und geistesgegenwärtig fragte, wo er sich denn befinde. Da ist dem Kneller ein „Fasanenhof“ entfleucht, das er gleich wieder schwer bereute. Da man annahm, er sei das Ziel des Drohnenfluges gewesen, kam nun auch noch Fliegen außerhalb der Sichtweite und weiter als 400 Meter vom Piloten entfernt auf die Liste. Die Frage, wer er denn sei, beantwortete er vorsichtshalber nicht mehr. Aber der POM Häberle ist schon einmal bei einer Razzia in Knellers Puff dabei gewesen und hat so die Stimme identifiziert.  

„Kneller, das sind doch Sie.“ 

Darauf schleuderte dieser sein iPhone 6 etwa 20 Meter weit weg. Leider landete es in einer Pfütze und war damit das, was der Schwabe als „he“, also als hin beziehungsweise kaputt bezeichnet. 

Man stattete ihm alsbald einen Besuch ab. Vorausgegangen war auf der Polizeiwache eine Diskussion darüber, wer von den Beamten dort hingehen müsste. Kneller hat schon öfter Polizisten so verprügelt, dass sie länger ins Krankenhaus mussten. Deswegen ist er auch schon fast eingesessen. Der Staatsanwalt hat das abgebogen. Ein Herr Berner übrigens. 

Das Thema wurde dahingehend gelöst, dass sich acht Polizisten auf den Weg machten, um den Kneller durch pure Mannschaftsstärke von irgendwelchen Kurzschlusshandlungen abzuhalten, für die er weithin bekannt war.

Als sie den Puff betreten, schreit Kneller: 

„Aha, die kleinen grünen Männchen.“ 

Es sind es eher kleine blaue Männchen und auch Frauchen. Manche Männchen sind auch gar nicht so klein.

„Herr Kneller, Sie haben ja mitbekommen, dass wir die zwei Herren aus Thailand festgenommen haben. Was haben Sie dazu zu sagen?“ 

„I sag gar nix. I wart auf meinen Anwalt.“ 

Das gestatten sie ihm, und nachdem dieser sehr schnell eingetroffen ist, können sie auch wieder gehen, denn dem Herrn Kneller könne man ja unmöglich zur Last legen, dass zwei Geschäftsleute aus Thailand illegal eingereist seien und gesetzeswidrige Drohnenflüge durchführten. Die beteiligten Polizisten machen säuerliche Gesichter, was auch wieder verständlich ist. 

So etwas passiert laufend. Kneller hat diese Thai-Kerlchen eingeladen und die sind ohne jeden Zweifel für ihn tätig. Da stellt sich diese Rotlichtgröße rotzfrech hin und erzählt, sein Name sei Hase. 

Der Polizei ist das Glück hold. Sie hat eine gebürtige Thai in ihren Reihen und die hat sich mit den beiden ausführlich unterhalten. Sie hat sie brav über ihre Rechte belehrt, was die zwei nicht verstanden haben, aber das war der Polizei im Moment egal. Vorgelesen ist vorgelesen und das auch noch in Landessprache. 

Die zwei haben alles erzählt, was sie wussten. Sie wollten möglichst schnell fort aus diesem schrecklichen Land und weg von diesem Kneller. In Thailand habe er ein großes Hotel. Er habe sie hergeholt, damit sie mit den Drohnen Geld transportieren. Welches Geld? Wüssten sie nicht. Aber sechs Mal hätten sie ein großes Bündel mit Geld bekommen. Vom Grillplatz. Sie können ihn sogar auf der Karte zeigen. Ob Kneller dabei gewesen sei? Ja, er habe Nawin sogar geschlagen. Aha, so bekommt sein Flehen, nicht geschlagen zu werden, eine Bedeutung. Ob sie die Aussagen unterschreiben würden. In thailändischer Schrift? Klar. Da kann man wieder sehen, welche Vorteile die Migration und die Integration heutzutage haben. 

Ohne diese Kollegin mit thailändischen Wurzeln hätten sie jetzt gar nichts. Ob das hilft, weiß man nicht. Am Ende entscheidet der Staatsanwalt. Der heißt in diesem Fall Berner, ist für die Buchstaben H bis M zuständig und oft sehr milde. Daher hat ihr Chef befohlen, den Kneller erst dann festzusetzen, wenn man ihn tatsächlich neben einer Leiche erwischen würde mit der Hand an dem Messer, das in der Leiche stecke. 

„Wir machen uns sonst lächerlich“, hat er gesagt.

Kneller sitzt immer noch im Puff und kocht. Jetzt hat er die Faxen mit diesen Scheißdrohnen dicke. Die zwei Kinesen werden sie vermutlich abschieben. Er geht davon aus, dass dank Berner nicht viel an ihm kleben bleibt. Aber er hat die Schwarzgeld-Daten ständig vor der Nase und kann im Moment nichts damit unternehmen. Das macht ihn wahnsinnig. So viel Geld. Er wird die Übergaben anders regeln. Kneller überlegt. Dabei kippt er seinen Stuhl nach hinten. Der ist schon etwas älter und knackt bedenklich. Da hat er was mit Olli gemein.

Um diesem Tag noch die Krönung aufzusetzen, hat ihm Bruno erzählt, dass dieser Maurer, dieser Freund von Olli, nicht aufzufinden sei. Laut Nachbarn sei er für längere Zeit in Australien. 

Und so greift Wilfried Kneller an diesem Abend verschärft zum teuren Cognac

Darth Vader   (in diesem Kapitel schlägt er ein letztes Mal zu – so rein erpressungstechnisch)

Kneller sitzt im Puff. Er wird das mit den Übergaben anders lösen. 

Er hat vor ein paar Tagen nach dem Genuss von zu viel Cognac mit dem Nachdenken aufgehört, aber am nächsten Morgen ist es besser gegangen. Ihm ist etwas eingefallen, was alle Probleme löst. Bingo. Er musste nur noch eine Möglichkeit finden, seine Stimme zu verzerren. Da gibt es so Computerzeugs, aber da muss man Sachen installieren, und das ist ihm alles zu kompliziert. Am Ende hat er im Internet was gefunden, was die Stimme stark verändert. Er muss vor Gebrauch nur seine Bürotür abschließen, weil das Scheißteil eine Darth-Vader-Maske mit Stimmverzerrung ist. 

Routiniert tätigt er seine sechs Anrufe mit dem Prepaid-Handy. Die Karte wird er nach Gebrauch wegwerfen.

Er lässt sich das Geld auf Konten von irgendwelchen Firmen mit Fantasienamen in Dubai oder in Singapur überweisen. Kurz danach ist das Konto verschwunden und das Geld ist weg. Das ist natürlich clever und der primitiven Bargeld-Methode von Olli deutlich überlegen. International ist er schon gut vernetzt, der Herr Kneller. 

Schon am Tag darauf sitzt Darth Vader wieder an seinem Schreibtisch. Auf der Liste, die er abarbeitet, kommen ihm viele Namen bekannt vor. 

Beim ersten Mal hat er vergessen, die Tür abzuschließen, und eine von den Nutten kam in sein Büro. Sie hat einen panischen Schrei abgelassen, als er mit der Maske auf dem Kopf in das Handy rein gequasselt hat. Er war versucht, zu ihr zu sagen: „Möge die Macht mit dir sein“, aber das ging gerade nicht, weil er in dem Augenblick: „Ische wille vonne die Swarzgeld in die Sweiz swanzisch Prosente“, sagen musste.

Nach dem zehnten Anruf findet er, das ganze sei mühsam. Wenn er als komplett geldgeiler Typ aber daran denkt, dass diese zehn Leute jetzt weit über eine Million überweisen, dann relativiert sich die Qual.

Das Hotel in Marokko ist so gut wie verkauft und mit den Leuten in der Domrep ist er so gut wie handelseinig. Er müsste dann noch ein wenig Spanisch lernen. Holt sich einen Cognac. Ist schon nach zwölf. Si claro. Er hat die richtigen Leute schmieren können. Kann bar bezahlen. Das sind vernünftige Leute da unten. 

Hierzulande wollen manche heute schon im Puff eine Quittung fürs Vögeln haben. Na dann wird er erst mal weiter telefonieren. Die Maske muss er ab und zu abnehmen, wird heiß darunter. 

In so einer Pause kommt ein Anruf auf sein Handy. 

„Berner.“ 

„Ach so, du. Was gibt es?“ 

„Wir müssen reden. Ich komme zu dir, jetzt gleich.“ Und schon hat er aufgelegt.

Kneller ist sauer. Er setzt die Maske wieder auf und macht weiter. Als es an seiner Tür klopft, hat er weitere zwölf geschafft und ist für heute zufrieden. 

„Herein.“ 

„Es ist was passiert.“ 

Berner hat sein Auto auf dem Hof abgestellt und ist vorsichtig reingeschlichen. Ständig hat er sich umgesehen. Kein Mensch darf ihn hier sehen. 

„Ich habe den Walzer getroffen. Zufällig. Auf der Königstraße.“ 

„So abgehackt, wie du sprichst, muss das ja schlimm sein.“ 

„Ist es auch. Er hat ein Video gesehen, auf dem man mich und den Massler beim Vögeln sieht. In dem Schwimmbad.“ 

Kneller zieht die Augenbrauen hoch. 

„Wie bitte?“ 

„Also du hast das gefilmt – oder?“ 

„Ja. Aber das Video hat kein Mensch außer mir.“ 

„Dann muss es dir jemand geklaut haben.“ 

„Des isch unmöglich. Es isch nur auf meinem PC.“ 

„Du wärst nicht der Erste, dem man den PC hackt. War der in letzter Zeit mal langsamer als normal?“ 

Kneller staunt. 

„Das stimmt.“

Dann wird er sauer. Er zweifelt alles an. Der Walzer erzähle nur irgendwas. 

„Wieso weiß er dann, dass ich es abwechselnd mit zweien gemacht habe?“ 

Kneller haut auf den Tisch. Davon fällt die Darth-Vader-Maske runter. Berner schaut sie fasziniert an. 

„Was machst du jetzt? Sexspielchen als Darth Vader verkleidet mit nix drunter unter der Kutte oder wie?“ 

Kneller sagt ihm, er habe keine Ahnung, wie das mit dem Video passiert sein könne, wenn es denn stimme. Dann schmeißt er ihn raus und schreit nach den Gorillas. 

„Ihr fahrt jetzt sofort zu diesem Walzer an den Bodensee. Zuerst checkt ihr, ob der den Olli versteckt hat. Wenn nicht, schnappt ihr euch seine Frau oder Freundin, diese Lena. Aber nehmt euch ein paar Tage Zeit und kundschaftet alles vorher sorgfältig aus.“