Leseprobe zum Ländle-Thriller Schoofseggl

Anfang:

Heilandsack!   

Am Ende des Tempolimits auf der A81 von Stuttgart in Richtung Süden, genau bei dem schwarzweißen Schild, das dem beherzten Fahrer Erlösung von der Qual der Langsamkeit signalisiert, senkt sich sein Fuß bleischwer auf das Gaspedal. 600 Newtonmeter Drehmoment und 457 PS fallen gnadenlos über die 255er Hinterräder her. Der V8-Motor röhrt heiser, in den oberen Drehzahlregionen steigert sich das zu einem wilden Stakkato. Die Tachonadel zieht entfesselt an der 200 vorbei und strebt dynamisch in höhere Bereiche. 

Im SWR3 läuft geile Musik, dann beginnen die Nachrichten und nach der ersten Meldung schreit er plötzlich „Heilandsack“, verreißt dabei das Lenkrad ein wenig und die Fuhre macht bei 220 Sachen einen Schlenker. 

Heilandsack ist ein schwäbischer Fluch, die verkürzte Form für Heiland, Sakrament – wörtlich etwa „Gott verdamme mich“. Das Sakrament darin weist angeblich auf eine unsichtbare Wirklichkeit Gottes hin.

Es ist nicht gesichert, dass Franz Walzer in seinem schwarzen Mercedes diese Definition bei der Anwendung des Fluchs so ganz genau bedacht hat. 

Der Lenkwinkelsensor des ESP seines C63 AMG T-Modells merkt sofort, dass da etwas gewaltig nicht stimmt, er erfasst die Gierrate, die Querbeschleunigung, die Drehzahlen der Räder und – weiß der Geier was noch alles – etwa 150-mal pro Sekunde. Bits zischen mit Lichtgeschwindigkeit durch die Kabellage dieses Karrens, eine digitale Orgie ohnegleichen läuft ab. Netterweise schickt das schlaue kleine System einen Bremsimpuls an das linke Vorderrad und nimmt die Leistung ein wenig zurück. Mein Gott, bei 457 PS ist das zu verschmerzen. Dann sind es eben temporär nur noch 300 PS. Das Auto stabilisiert sich sofort ganz sanft. Es lebe die Elektronik, dieser Reparaturmechanismus für menschliche Dummheit und Unzulänglichkeit.

Ihr verdankt der ehemalige Rechtsanwalt Franz Walzer jetzt, dass nichts passiert ist. Sein Puls jagt, die Hände sind feucht, er schnauft, steigt in die Eisen und erwischt gerade noch die Ausfahrt zum nächsten Parkplatz. 

Genau genommen sind es auch keine Eisen, sondern es ist die optionale Keramik-Bremsanlage. Die hält 1000 Grad aus, das braucht man ja. Kostet so um die 7000. Seine Freundin Lena hat ihn ja aus der großen S-Klasse in diesen Kleinwagen gezwungen. 

„Ich schäme mich in dieser Protzkiste.“ 

Doch für seine geliebte Lena aus Konstanz tut er alles. Aber dann wenigstens mit Keramikbremsen, darauf hatte er beim Kauf bestanden. 

Er steigt aus und geht ein paar Schritte hin und her. Ist ja immer sehr romantisch auf Autobahnparkplätzen. 

Der Text in den Nachrichten auf SWR3 lautete: 

Wie erst jetzt bekannt geworden ist, hat das Stuttgarter Landesfinanzministerium vor einigen Monaten eine Daten-CD des Schweizer Bankhauses Indermann angekauft. Darauf sollen sich Informationen über Schwarzgeldkonten von fast 1000 Steuerhinterziehern aus Baden-Württemberg befinden.

Er hat bis vor kurzem so ein Konto bei genau dieser Bank gehabt. Eine schöne Bank. Er ist immer gern bei der Filiale in Kreuzlingen gewesen. Kreuzlingen ist der schweizerische Nachbarort von Konstanz am Bodensee. Biedere Schalterhalle unten, Lift in die erste Etage und dort alles vom Feinsten. Die Damen und Herren wie aus dem Ei gepellt. Er war mit seiner einen „Kiste“, wie die dort zu einer Million sagen, in Kreuzlingen ein mittelkleiner Fisch. Es gab ärmere aber auch reichere. In Zürich hätten die ihm bei einer „Kiste“ gerade mal einen Kaffee spendiert, in Kreuzlingen gab es noch Gebäck und eine Champagnertrüffel dazu, aber nur eine. In Zürich ist man erst so ab zehn oder eher 20 „Kisten“ jemand. Da gibt es dann Einladungen ins Grandhotel Dolder, das jetzt „Dolder Grand“ heißt – warum auch immer – oder zu Weekends in London. 

Er ist lange nicht mehr bei der Bank in Kreuzlingen gewesen, denn er hat das Konto vor einem Jahr leer geräumt und gelöscht. Aber er weiß nicht hundertprozentig, ob auf der vom Finanzministerium angekauften CD seine Daten noch drauf sind. Man weiß nie genau, wie alt diese Daten sind.

Die Landesregierung in Baden-Württemberg hat immer gesagt, sie kaufe solche Daten nicht an, und jetzt machen sie es doch, empört er sich innerlich. Diese Lügner, diese dreckigen. Grüne und Sozis eben. Wollen das Geld von hart arbeitenden Leuten unter all den Faulen verteilen. Werden schon sehen, wer alles das Land verlässt. Dann haut er eben ab. 

Ach so, er ist ja schon abgehauen. Lebt jetzt in der Schweiz in der Nähe von Konstanz. Aber als er das Konto eröffnet hat, da lebte er noch in Konstanz. Heilandsack!

Nach einer Weile steigt er wieder ein und fährt nach Hause. Jetzt aber in gemäßigtem Tempo. Er muss das Ganze in Ruhe anschauen. Natürlich hat er Schiss, dass die auf ihn kommen. Klar, er ist in die Schweiz gezogen, aber das nützt rückwirkend gar nichts. Wenn du in Deutschland wohnst und ein nicht deklariertes Konto bei Indermann hast, dann bist du dran. Das ist leider in seinem Fall bis vor etwa einem Jahr so gewesen. Er kann jegliche behördliche Aufforderung aus Deutschland ignorieren, aber dann kann er Deutschland nicht mehr betreten. Doch das will er auch wieder nicht. 

Walzer ist knapp über 50, schwäbelt heftig mit einem nasalen Unterton. Er ist etwa 1,80 groß, mit schütterem Haar und einer Hakennase. Er grinst immer so leicht verschmitzt. Selbst wenn er ernst schaut, grinst er irgendwie. Er kommt ursprünglich aus Reutlingen.

Dort spricht man den Ortsnamen nicht etwa wie Reutlingen aus, sondern wie „Reidlenga“. Das ist schon ein komplizierter Dialekt und er klingt so gar nicht gut, aber der badische ist auch nicht viel besser – alle Badener mögen verzeihen und die Schwaben gleich mit. 

Er ist Jurist und hatte viele Jahre eine gut gehende Anwaltskanzlei in Konstanz. 

Die ist seinem Temperament zum Opfer gefallen und einer gewissen Neigung, den Staat nicht allzu ernst zu nehmen. In so einer normalen Anwaltskanzlei hat man halt Scheidungen, Verkehrsunfälle oder sonstige Streitereien zu bearbeiten – alles nicht so aufregend. Walzer hat diese Standardfälle immer brav erledigt, aber wenn einer mit einer spannenden Geschichte zu ihm kam, ist er zur Hochform aufgelaufen. Bei Geschäftsleuten in ausweglosen Situationen schlug seine große Stunde. 

Seine Spezialität waren Unternehmer, die sich von ihrer eigenen GmbH Geld geliehen haben. Das gab es oft. Wenn dann das Unternehmen überschuldet war, konnte der Inhaber keinen Konkurs anmelden, denn die Gläubiger hätten in diesem Fall auf sein privates Vermögen zugreifen können. Wirtschaftlich kommt man dann gar nicht mehr auf die Füße. 

Also kaufte jemand für ihn das Unternehmen für einen Euro auf. Er setzte einen völlig besitzlosen Geschäftsführer ein, der gerade aus dem Knast gekommen war. Dem war alles wurscht, denn bei ihm war für niemanden irgendwas zu holen. Anschließend wurde die Bude dreimal umbenannt und der Sitz viermal verlegt. Wenn einer der Leute, denen die Firma Geld schuldete, sie doch fand, wurde ihm statt Geld die ganze Firma angeboten, die natürlich nur noch eine leere Hülle war und keinerlei Vermögensgegenstände mehr enthielt. Der neue Inhaber und der neue Geschäftsführer konnten ja ohne jedes Risiko für sich selbst Konkurs anmelden, denn sie haben sich bei der Firma kein Geld geliehen. 

So ersparte er den Unternehmern den Konkurs und sie konnten schnell einen Neubeginn starten. Walzer führte diese Rettungsaktionen jedoch nur dann durch, wenn die Gläubiger der Unternehmen groß und mächtig waren, wie zum Beispiel Banken. Der Kampf gegen die Riesen machte dem selbsternannten Robin Hood für kleine Unternehmer in Schwierigkeiten richtig Spaß, auch wenn er genau wusste, dass das Geschäft schon nicht mehr in einer sogenannten Grauzone angesiedelt, sondern wirklich kriminell war. Hatte aber ein Unternehmer, der ihn um Hilfe bat, seine Mitarbeiter oder kleine Lieferanten hängen lassen, dann half der Walzer nicht. Moral hat er schon, aber eine sehr eigene.

Irgendwann haben Kollegen, die die mächtigen Gläubiger vertraten, das mitbekommen und ihn von da an sehr genau beobachtet. Dann ist er auch noch so unvorsichtig gewesen, auch selbst als kurzzeitiger Geschäftsführer so einer Firma aufzutreten und damit an einer sogenannten Konkursverschleppung aktiv mitzuwirken. Damit hatten sie ihn am Wickel. Er machte zwar rotzfrech weiter, aber irgendwann entzog man ihm die Zulassung als Rechtsanwalt. Ganz genau genommen hat er sie selbst zurückgegeben, aber nur um dem Entzug zu entgehen.

Der Schock bremste ihn eine Weile aus, aber irgendwann stellte er fest, dass er jetzt befreit von den Regeln des Berufsstandes der Rechtsanwälte lustig weitermachen konnte. Er ist allerdings etwas vorsichtiger geworden. Zum Glück hat ihm seine bisherige Praxis ziemlich viel Geld eingebracht, mit dem er sorgsam umgegangen ist und es gescheit angelegt hat. Jetzt musste er sich auch nicht mehr mit der langweiligen juristischen Aufarbeitung von Verkehrsunfällen befassen, sondern konnte sich exklusiv um verfahrene unternehmerische Situationen kümmern. 

Nach seinem Beinahe-Abflug im Mercedes auf der Autobahn schüttet sich Walzer am Abend auf seinem Sofa leider einen Rotwein zu viel ein. So kann er nicht mehr ganz klar denken, aber es ist ihm klar, dass er etwas wegen seines ehemaligen Kontos bei Indermann unternehmen muss. 

Er hat auch schon von einigen seiner Klienten, die früher Konten bei Indermann besaßen, Whatsapp-Nachrichten bekommen. Die wollen wissen, ob sie was machen müssen. Whatsapp – wie unvorsichtig. Er rätselt, warum es im Radio hieß, der CD-Ankauf sei schon ein paar Monate her, und er und andere noch keinen Besuch oder Post von der Steuerfahndung bekommen haben. Irgendwas stimmt da nicht. Im Normalfall wird das erst bekannt, nachdem die Steuerfahndung alle Leute abgeklappert hat, um ja keinen aufzuscheuchen. Macht ja auch Sinn.

Dukatenscheißer   (Kapitel aus der Mitte, da wo der Erpresser selbst erpresst wird)

Olli staunt ein wenig über sich selbst. Er zermartert sich zwar immer noch jeden Tag mindestens drei Stunden lang den Kopf, wie er aus der Sache herauskommen könnte – und zwar am liebsten unbeschadet. Aber es will ihm nichts einfallen. Auf der anderen Seite hat er sich in den letzten paar Tagen an seinen neuen Job gewöhnt. So schnell geht das. Die letzten drei Übergaben sind völlig problemlos abgelaufen. Er beginnt zu glauben, seine Methode sei tatsächlich genial. Aber immer, wenn solche Gedanken auftauchen, mahnt er sich selbst zur Vorsicht. Sein ernüchterndes Fazit der Situation ist: Ich bin für Kneller das beste Geschäft seines Lebens und er macht sich nicht mal die Finger schmutzig. Allerdings hat Olli kurz danach zu sich selbst auch gesagt: Meine einzige Waffe ist, dass ich schlauer bin als er. Nur hat diese Gewissheit bisher leider nichts gebracht.

Wenn er Kneller anzeigt, hängt er selbst mit drin. Er könnte Kneller umbringen oder umbringen lassen. Sollten sie ihn dabei erwischen, ist es ziemlich endgültig aus. Mit Anfang 50 käme er aus dem Gefängnis wieder raus. Wenn er einfach nicht mitspielen würde, könnte Kneller seiner Schwester oder deren Tochter oder jemand anderem was antun. Olli sitzt am kürzeren Hebel. Diese teuflische Mafia-Methode läuft ganz einfach so: „Ich weiß, wo deine Kinder in die Schule gehen.

Kneller hat bestimmt jede Menge Dreck am Stecken. Möglicherweise könnte Olli ihn mit einem anderen Delikt erpressen. Das wäre eine Option, dazu müsste er das aber erst herausfinden. 

Weiter fällt dem Olli nichts ein. Er ist ein Dukatenscheißer erster Güte für Kneller. Er ist sein Sklave – und das wird auch so bleiben, wenn nichts passiert. Vielleicht gibt es eine Lösung, aber er sieht sie nicht. Es ist ein Duell zwischen Kneller und ihm und er ist der Verlierer, denn Kneller ist allemal härter und brutaler. Also wird er weiter erpressen und er ist sich sicher, dass sie ihn eines Tages erwischen werden. 

Am folgenden Wochenende macht Olli noch drei Übergaben, die alle perfekt funktionieren. Er bringt Kneller das Geld. Eigentlich müsste Kneller ihm gar nichts abgeben. Warum tut er das? Vielleicht ist das Ausdruck der Tatsache, dass er doch irgendwo unsicher ist. 

Kneller grapscht sich das Geldbündel an der Eingangstür vom Puff. Er lässt ihn nicht mal mehr rein. Allerdings vermisst Olli das auch nicht. 

„Ab sofort machst du fünf Übergaben pro Woche, das dauert zu lange.“ 

Er knallt die Tür zu und lässt Olli einfach stehen. 

Zu Ollis eigenem Erstaunen klappen die fünf Übergaben in der nächsten Woche reibungslos. Er bringt das Geld zu Kneller.

„Ab sofort zehn pro Woche.“ 

Olli will was sagen, doch die Tür ist schon zu. 

Er fühlt sich hilflos. Aber er hat sich ja alles selbst eingebrockt. Auch diese zehn Übergaben klappen einwandfrei. Er bringt das Geld zu Kneller und der erhöht das Pensum zu seinem Erstaunen nicht. 

„Braver Junge.“

Olli geht nach Hause und zählt das Geld aus den Erpressungen für Kneller. Er kommt auf ungefähr 700.000. Dann hat der Kneller jetzt also etwa drei Millionen. Olli denkt wieder über einen Auftragsmord nach. Oder soll er doch zur Polizei gehen? Er hat auch schon über eine Selbstanzeige nachgedacht, könnte ja sein, dass er mildernde Umstände bekäme, und auf Erpressung gibt es nach seinen Informationen bloß fünf Jahre – aber es gibt auch die räuberische Erpressung und dafür gibt es mehr.

Das Gefühl der Hilflosigkeit wird immer schlimmer. Olli würde sich gerne von dem Geld trennen, er würde fast alles für seine Ruhe geben. Aber nein, er hat die nächsten zehn Fälle schon wieder am Laufen. In drei Tagen wird er über eine Million mehr verfügen. Die zehn Übergaben pro Woche sind kaum zu schaffen. Er muss zuerst alle erreichen, was nie auf Anhieb klappt. Dann macht er die Termine. Er muss die Drohnen aufladen. Ab und zu gibt es einen Defekt. Mit An- und Abfahrt braucht er pro Übergabe so an die drei Stunden. Olli ist an seine Grenzen angelangt. Physisch und psychisch schon lange. Mittlerweile lässt er den Sprinter schon in der Nähe von Franzis Haus stehen, für lange Fußwege hat er keine Zeit mehr. Den Kastenwagen hat er für einen Monat gemietet.

Die nächste Übergabe läuft anfänglich bei schönstem Frühsommerwetter bestens ab. Eine gewisse Routine ist da. Nervös ist er dennoch. Olli lässt die Drohne langsam einschweben, er hat jetzt ziemlich viel Übung. Sie setzt auf, er nimmt die Leistung weg. Auf dem Monitor sieht man, wie sie aufsetzt, jetzt steht sie auf festem Boden. Er ruft das Opfer an, der Mann meldet sich. Olli erklärt, wie er die Geldbündel auf die Drohne packen soll. Der hier scheint etwas begriffsstutzig zu sein. 

„Wie soll ich das Geld befestigen? Und wo ist das? Ich sehe nichts.“ 

Auf dem Monitor sieht Olli die Hosenbeine seines Opfers. 

„So, jetzt habe ich es gefunden. Jetzt ist es fertig, alles verpackt.“ 

Er steht neben dem gemieteten Sprinter. Sein Standort ist ziemlich nah bei dem des aktuellen Opfers. Das hat den Vorteil, dass der Flug der Drohne kurz ist.

Olli gibt Gas. Eigentlich ist es ja kein Gas, sondern der Batteriestrom der Drohne. Auf dem Monitor sieht er keine Bewegung, Olli dreht weiter auf, die Drohne hebt langsam ab. Auf dem Monitor sieht Olli, wie langsam die Hose und das Sakko des Opfers vorbeiziehen. Irgendwas ist komisch, die Drohne reagiert nicht wie gewohnt auf Steuerbefehle und sie hebt viel zu langsam ab. Dann sieht er auf dem Monitor ein Gesicht auftauchen. Mann, was für ein hässlicher Kerl, feist, wirre Haare, unrasiert. Das Gesicht grinst höhnisch. Neben dem Gesicht sieht man die Hand mit dem Handy. 

„Jetzt hör mir mal zu, du ausgefranstes Arschloch. Ich zahle dir gar nichts, das Teil hier behalte ich, und wenn du dich traust, mich beim Finanzamt anzuschwärzen, dann steh ich mit der Drohne und den mitgeschnittenen Handy-Gesprächen bei der Polizei. Vielleicht bekommen wir im Knast dieselbe Zelle, da kannst du dich schon mal auf was gefasst machen“, sagt das Gesicht. 

Olli sieht noch ein paar Hände vor der Kamera, dann ist es dunkel, kein Ton mehr. Da hat der Typ wohl den Stecker gezogen oder vielmehr das Kabel abgerissen. Olli schüttelt sich nur kurz. Da muss er eben wieder neue Drohnen besorgen.

Von dieser Panne hat Olli sich schnell erholt. Die nächsten drei Übergaben laufen wie geschmiert. An einem Dienstag um drei Uhr nachmittags hat er die zweite an diesem Tag. Er fährt zu einer anderen Stelle. Die Drohne startet, sie kommt zurück, das Geld liegt drin, alles bestens. Olli packt sie ein und fährt mit dem Sprinter zu einem Parkplatz, etwa einen Kilometer entfernt von Franzis Haus. Er steigt aus und nimmt das Geld aus der Drohne. 

Dabei fällt aus dem Geldbündel etwas raus, was da nicht reingehört. Er hebt es auf. Es ist ein ganz stinknormaler GPS-Tracker. Mein Gott, jetzt haben sie seinen Standort! Er will den Sprinter nehmen und abhauen. Da hört er einen näher kommenden hochdrehenden Automotor. Er nimmt an, der Motor gehört zu einem Auto, in dem seine Jäger sitzen. Wenn er den Sprinter nimmt, dann ist er das einzige Auto, das herumfährt.

Das hier ist eine ruhige Straße in einem Wohngebiet. Es gibt viele alte Häuschen aus den 70er- und 80er-Jahren, Tomatenbeete im Vorgarten, nicht schön, aber gemütlich. Allerdings befindet sich schon das eine oder andere moderne Haus zwischen den alten Hütten. Das ist die Folge des knappen Wohnraums in den Großstädten. Nach und nach werden alle Stadteile von Neubauten erobert. Aber für solche Gedanken hat er jetzt keine Zeit. 

Den Sprinter lässt er stehen. Er legt die Drohne hinten so rein, dass man sie durch die Scheiben nicht sehen kann. Dann wirft er sich den Rucksack über die Schulter, sieht noch mal in den Sprinter, ob er was vergessen hat. Nichts da. Er schließt das Auto ab. Zum Glück hat der so einen Funkschlüssel. Hat ihm ein paar Sekunden gebracht. Das Auto steht ganz normal am Straßenrand zwischen anderen. Da gibt es noch ähnliche Transporter mit Stuttgarter Kennzeichen. Der fällt nicht auf. Den Tracker hat er in der Jackentasche. 

Olli sieht sich um. Das Motorengeräusch wird lauter. Schräg gegenüber gibt es einen schmalen Durchgang zwischen zwei Häusern. Rechts ein Jägerzaun, links ein Jägerzaun. Alles schön spießig. Da geht er rein. Auf beiden Seiten ist hinter dem Jägerzaun eine Hecke. Sobald er auf der Höhe der Hecke ist, rennt er gebückt los. Am anderen Ende der Kombination aus Hecke und Jägerzaun schlägt er einen Haken nach rechts. Hinter sich hört er den Motor. Die sind jetzt sehr nah. 

Er überlegt gerade, ob sie anhalten, aussteigen und ihn zu Fuß verfolgen werden, als sich ihm von rechts das große Glück nähert. Es ist ein Transporter mit Pritsche und der Aufschrift eines Bauunternehmens. Drin sitzen zwei Typen, die ziemlich kräftig aussehen. Das Motorengeräusch seiner mutmaßlichen Verfolger ist immer lauter geworden, während er zwischen den Jägerzäunen entlanggelaufen ist. Nachdem er um die Ecke war, ist es schlagartig leiser geworden. Klingt nach Vollbremsung. Jetzt ist die Pritsche neben ihm und er wirft den Tracker hinten drauf. Olli geht flott ein paar Schritte weiter. Er passiert so einen ähnlichen Kastenwagen wie seinen und macht einen schnellen Schritt hinter ihn. Hier hat er etwas Deckung. Er linst um die Ecke des Kastenwagens zurück. 

Da sind sie. Zwei Kerle mit Lederjacken, Rockerfrisuren und Tattoos biegen um die letzte Ecke, schauen nach links, schauen nach rechts. Der eine hält ein Handy in der Hand und schaut drauf. Er zeigt in die entgegengesetzte Richtung. Dann rennen sie zurück. Klar, die sehen das Signal schnell verschwinden und gehen davon aus, dass er mit einem Auto türmt. 

Olli nimmt sein Prepaid-Handy raus und sucht nach dem Namen des Baugeschäfts, der auf dem Transporter draufstand. Er ruft dort an. 

„Zwei Ihrer Leute fahren mit einem Mercedes-Pritschenwagen durch die Birkenstraße in Kornwestheim. Die haben einen Tracker hintendrauf. Warnen Sie sie und rufen Sie die Polizei an. Die beiden werden verfolgt.“ 

So, mehr kann er nicht tun. Er will keine unschuldigen Opfer. Die können den Tracker ruhig finden, er hat Handschuhe getragen. 

Einer spontanen Eingebung folgend, läuft Olli die Birkenstraße entlang Richtung Norden und wechselt an der nächsten Kreuzung auf die Stuttgarter Straße. Er hat nicht damit gerechnet, aber einige Minuten später bietet sich ihm ein sehenswertes Schauspiel, besser als jeder Tatort im Fernsehen. 

Die Stuttgarter Straße ist ziemlich belebt. Aber es ist unmöglich, den in die höchstmöglichen Drehzahlen gequälten Motor des leicht altersschwachen Mercedes-Pritschenwagens zu überhören, der hinter ihm ankommt. Olli bleibt stehen und dreht sich um. 

Mit mindestens 70 Sachen kommt die Karre angebraust. Dahinter drängelt so ein fetter Chrysler. Ein solches Modell wird gerne von Leuten benutzt, die was hermachen wollen, aber das Geld dazu eigentlich nicht haben. Der hier hat auch noch abgedunkelte Scheiben und extrem dicke Reifen. Fehlt eigentlich nur der Fuchsschwanz. Drinnen sitzen die beiden Burschen von eben. Der Chrysler hängt dem Mercedes fast auf der Stoßstange. Jetzt versucht er sogar zu überholen. Klappt aber nicht, weil die Herren vom Bau nach links ziehen und ein paar Autos entgegenkommen. Olli grinst. Die Bauarbeiter haben Nerven und Ortskenntnis. 

Weiter vorne ist so ein kantiges Haus. Aus dem Haus laufen gerade im gestreckten Galopp ein paar Leute heraus. Sie tragen alle die gleichen dunklen Klamotten. Der Pritschenwagen bremst bei dem Haus scharf und fährt rechts ran. Das ist das Polizeirevier Kornwestheim. Die Kostüme der Herren und Damen entpuppen sich bei näherem Hinsehen als Uniformen. Der Chrysler bremst auch und der Fahrer merkt zu spät, dass das ein Fehler war, als drei Polizeibeamte mit Waffen in der Hand auf die Straße treten. Da bleibt ihnen nichts anderes mehr übrig, als anzuhalten und auszusteigen. Dumm gelaufen. 

Olli lacht sich scheckig – mitten auf der Straße.

An der Ecke gibt es ein Straßencafe. Olli setzt sich draußen so hin, dass er den Fortgang der Aktion beobachten kann. Er bestellt einen Cappuccino bei der hübschen Kellnerin.

Danach kauft er sich in einem Kiosk an der nächsten Ecke noch einen „Spiegel“ und geht zu Fuß zu Franzi. Den Sprinter lässt er stehen, wo er ist.

easyJet   (hier geht es dem schlimmsten Bösewicht langsam an den Kragen)

Kneller sitzt im Puff. Er ist zornig, sehr zornig. Er erwartet unangenehmen Besuch. 

Zuerst hat er erkannt, dass es schlau ist, die Autobahn zwischen sich und den Ort der Abholung durch die Drohne zu legen. Das erschwert einem eventuellen Verfolger die Sache gewaltig. Für die kommenden Aktionen hat er dauerhaft einen Mercedes-Sprinter angemietet. Dann ist er mit diesem „Scheißhobel“ von Sprinter stundenlang auf der Suche nach einem geeigneten Gelände in der Gegend herumgefahren. Am Ende hat er sich noch einen Anschiss von einem Förster eingefangen. Nachdem der ihn hat laufen lassen, hat er in dem Sprinter die Sonnenblende abgerissen und sie aus dem Fenster geworfen.

„Die isch für dich, du Förschter vom Silberwald!“, hat er gebrüllt. 

Aber er hat auf diese Art einen sehr geeigneten Platz in der Nähe eines Wäldchens in Echterdingen gefunden. Heute früh hat er die Kinesen dahin zum Üben gebracht. Er selbst ist zum Grillplatz gefahren.

Dort angekommen hat er Nawin per Handy zum Starten aufgefordert. Nawin hat die Drohne aufsteigen lassen. Er hat sie in einem schönen weiten Bogen zum Zielgebiet gesteuert. Damit er das Ziel auch sicher findet, ist er ziemlich hoch geflogen. Er hat Angst vor diesem Kneller. In Thailand haben sie gesagt, der sei sehr nett, aber hier sieht das anders aus.

Die Piloten von easyJet-Flug EZY 7581 aus Porto staunten nicht schlecht, als ihnen kurz vor dem Aufsetzen am Flughafen Stuttgart um genau 10:41 Uhr eine Drohne begegnete. Die Drohne zischte etwa zehn Meter unterhalb des Backbordtriebwerks des Airbus A320-200 durch. Das ist von hinten aus gesehen das linke. Dabei kam sie massiv ins Trudeln. Da der Copilot die Landung durchführte, blickte der erschrockene Flugkapitän der Drohne kurz nach und entdeckte unten am Waldrand zwei Figuren. Dies teilten die Piloten nach der Landung dem Tower mit, der sofort die Polizei alarmierte. 

Bereits fünf Minuten danach waren zwei Streifenwagen unterwegs. Die fuhren stramm auf den Waldrand zu und sahen schon von Weitem zwei Gestalten auf der Wiese am Waldrand auf einen Punkt zu rennen, der, wie sich hinterher herausstellte, die Absturzstelle der Drohne war. Den Beamten kam noch ein dritter Streifenwagen zu Hilfe und so konnten sie zwei verängstigte thailändische Staatsbürger festnehmen und eine ziemlich ramponierte Drohne sicherstellen. Der eine der Thais sprach ein wenig Deutsch, in dem er darum flehte, nicht geschlagen zu werden. Sie hatten ihre Pässe bei sich, anhand derer man später feststellen konnte, dass die darin enthaltenen Visa gefälscht waren. Zudem stellte sich später heraus, dass die beiden Herren sich auf Einladung eines gewissen Wilfried Kneller in Deutschland befinden. 

Kneller hat derweil am Grillplatz gewartet. Nach einer gewissen Zeit hat er Trang angerufen und ohne Vorwarnung in das Handy reingebellt, wo die Scheißdrohne denn nun bleibe. Sehr verwundert war er darüber, dass ein Polizeiobermeister Häberle sich meldete und geistesgegenwärtig fragte, wo er sich denn befinde. Da ist dem Kneller ein „Fasanenhof“ entfleucht, das er gleich wieder schwer bereute. Da man annahm, er sei das Ziel des Drohnenfluges gewesen, kam nun auch noch Fliegen außerhalb der Sichtweite und weiter als 400 Meter vom Piloten entfernt auf die Liste. Die Frage, wer er denn sei, beantwortete er vorsichtshalber nicht mehr. Aber der POM Häberle ist schon einmal bei einer Razzia in Knellers Puff dabei gewesen und hat so die Stimme identifiziert.  

„Kneller, das sind doch Sie.“ 

Darauf schleuderte dieser sein iPhone 6 etwa 20 Meter weit weg. Leider landete es in einer Pfütze und war damit das, was der Schwabe als „he“, also als hin beziehungsweise kaputt bezeichnet. 

Man stattete ihm alsbald einen Besuch ab. Vorausgegangen war auf der Polizeiwache eine Diskussion darüber, wer von den Beamten dort hingehen müsste. Kneller hat schon öfter Polizisten so verprügelt, dass sie länger ins Krankenhaus mussten. Deswegen ist er auch schon fast eingesessen. Der Staatsanwalt hat das abgebogen. Ein Herr Berner übrigens. 

Das Thema wurde dahingehend gelöst, dass sich acht Polizisten auf den Weg machten, um den Kneller durch pure Mannschaftsstärke von irgendwelchen Kurzschlusshandlungen abzuhalten, für die er weithin bekannt war.

Als sie den Puff betreten, schreit Kneller: 

„Aha, die kleinen grünen Männchen.“ 

Es sind es eher kleine blaue Männchen und auch Frauchen. Manche Männchen sind auch gar nicht so klein.

„Herr Kneller, Sie haben ja mitbekommen, dass wir die zwei Herren aus Thailand festgenommen haben. Was haben Sie dazu zu sagen?“ 

„I sag gar nix. I wart auf meinen Anwalt.“ 

Das gestatten sie ihm, und nachdem dieser sehr schnell eingetroffen ist, können sie auch wieder gehen, denn dem Herrn Kneller könne man ja unmöglich zur Last legen, dass zwei Geschäftsleute aus Thailand illegal eingereist seien und gesetzeswidrige Drohnenflüge durchführten. Die beteiligten Polizisten machen säuerliche Gesichter, was auch wieder verständlich ist. 

So etwas passiert laufend. Kneller hat diese Thai-Kerlchen eingeladen und die sind ohne jeden Zweifel für ihn tätig. Da stellt sich diese Rotlichtgröße rotzfrech hin und erzählt, sein Name sei Hase. 

Der Polizei ist das Glück hold. Sie hat eine gebürtige Thai in ihren Reihen und die hat sich mit den beiden ausführlich unterhalten. Sie hat sie brav über ihre Rechte belehrt, was die zwei nicht verstanden haben, aber das war der Polizei im Moment egal. Vorgelesen ist vorgelesen und das auch noch in Landessprache. 

Die zwei haben alles erzählt, was sie wussten. Sie wollten möglichst schnell fort aus diesem schrecklichen Land und weg von diesem Kneller. In Thailand habe er ein großes Hotel. Er habe sie hergeholt, damit sie mit den Drohnen Geld transportieren. Welches Geld? Wüssten sie nicht. Aber sechs Mal hätten sie ein großes Bündel mit Geld bekommen. Vom Grillplatz. Sie können ihn sogar auf der Karte zeigen. Ob Kneller dabei gewesen sei? Ja, er habe Nawin sogar geschlagen. Aha, so bekommt sein Flehen, nicht geschlagen zu werden, eine Bedeutung. Ob sie die Aussagen unterschreiben würden. In thailändischer Schrift? Klar. Da kann man wieder sehen, welche Vorteile die Migration und die Integration heutzutage haben. 

Ohne diese Kollegin mit thailändischen Wurzeln hätten sie jetzt gar nichts. Ob das hilft, weiß man nicht. Am Ende entscheidet der Staatsanwalt. Der heißt in diesem Fall Berner, ist für die Buchstaben H bis M zuständig und oft sehr milde. Daher hat ihr Chef befohlen, den Kneller erst dann festzusetzen, wenn man ihn tatsächlich neben einer Leiche erwischen würde mit der Hand an dem Messer, das in der Leiche stecke. 

„Wir machen uns sonst lächerlich“, hat er gesagt.

Kneller sitzt immer noch im Puff und kocht. Jetzt hat er die Faxen mit diesen Scheißdrohnen dicke. Die zwei Kinesen werden sie vermutlich abschieben. Er geht davon aus, dass dank Berner nicht viel an ihm kleben bleibt. Aber er hat die Schwarzgeld-Daten ständig vor der Nase und kann im Moment nichts damit unternehmen. Das macht ihn wahnsinnig. So viel Geld. Er wird die Übergaben anders regeln. Kneller überlegt. Dabei kippt er seinen Stuhl nach hinten. Der ist schon etwas älter und knackt bedenklich. Da hat er was mit Olli gemein.

Um diesem Tag noch die Krönung aufzusetzen, hat ihm Bruno erzählt, dass dieser Maurer, dieser Freund von Olli, nicht aufzufinden sei. Laut Nachbarn sei er für längere Zeit in Australien. 

Und so greift Wilfried Kneller an diesem Abend verschärft zum teuren Cognac

Darth Vader   (in diesem Kapitel schlägt er ein letztes Mal zu – so rein erpressungstechnisch)

Kneller sitzt im Puff. Er wird das mit den Übergaben anders lösen. 

Er hat vor ein paar Tagen nach dem Genuss von zu viel Cognac mit dem Nachdenken aufgehört, aber am nächsten Morgen ist es besser gegangen. Ihm ist etwas eingefallen, was alle Probleme löst. Bingo. Er musste nur noch eine Möglichkeit finden, seine Stimme zu verzerren. Da gibt es so Computerzeugs, aber da muss man Sachen installieren, und das ist ihm alles zu kompliziert. Am Ende hat er im Internet was gefunden, was die Stimme stark verändert. Er muss vor Gebrauch nur seine Bürotür abschließen, weil das Scheißteil eine Darth-Vader-Maske mit Stimmverzerrung ist. 

Routiniert tätigt er seine sechs Anrufe mit dem Prepaid-Handy. Die Karte wird er nach Gebrauch wegwerfen.

Er lässt sich das Geld auf Konten von irgendwelchen Firmen mit Fantasienamen in Dubai oder in Singapur überweisen. Kurz danach ist das Konto verschwunden und das Geld ist weg. Das ist natürlich clever und der primitiven Bargeld-Methode von Olli deutlich überlegen. International ist er schon gut vernetzt, der Herr Kneller. 

Schon am Tag darauf sitzt Darth Vader wieder an seinem Schreibtisch. Auf der Liste, die er abarbeitet, kommen ihm viele Namen bekannt vor. 

Beim ersten Mal hat er vergessen, die Tür abzuschließen, und eine von den Nutten kam in sein Büro. Sie hat einen panischen Schrei abgelassen, als er mit der Maske auf dem Kopf in das Handy rein gequasselt hat. Er war versucht, zu ihr zu sagen: „Möge die Macht mit dir sein“, aber das ging gerade nicht, weil er in dem Augenblick: „Ische wille vonne die Swarzgeld in die Sweiz swanzisch Prosente“, sagen musste.

Nach dem zehnten Anruf findet er, das ganze sei mühsam. Wenn er als komplett geldgeiler Typ aber daran denkt, dass diese zehn Leute jetzt weit über eine Million überweisen, dann relativiert sich die Qual.

Das Hotel in Marokko ist so gut wie verkauft und mit den Leuten in der Domrep ist er so gut wie handelseinig. Er müsste dann noch ein wenig Spanisch lernen. Holt sich einen Cognac. Ist schon nach zwölf. Si claro. Er hat die richtigen Leute schmieren können. Kann bar bezahlen. Das sind vernünftige Leute da unten. 

Hierzulande wollen manche heute schon im Puff eine Quittung fürs Vögeln haben. Na dann wird er erst mal weiter telefonieren. Die Maske muss er ab und zu abnehmen, wird heiß darunter. 

In so einer Pause kommt ein Anruf auf sein Handy. 

„Berner.“ 

„Ach so, du. Was gibt es?“ 

„Wir müssen reden. Ich komme zu dir, jetzt gleich.“ Und schon hat er aufgelegt.

Kneller ist sauer. Er setzt die Maske wieder auf und macht weiter. Als es an seiner Tür klopft, hat er weitere zwölf geschafft und ist für heute zufrieden. 

„Herein.“ 

„Es ist was passiert.“ 

Berner hat sein Auto auf dem Hof abgestellt und ist vorsichtig reingeschlichen. Ständig hat er sich umgesehen. Kein Mensch darf ihn hier sehen. 

„Ich habe den Walzer getroffen. Zufällig. Auf der Königstraße.“ 

„So abgehackt, wie du sprichst, muss das ja schlimm sein.“ 

„Ist es auch. Er hat ein Video gesehen, auf dem man mich und den Massler beim Vögeln sieht. In dem Schwimmbad.“ 

Kneller zieht die Augenbrauen hoch. 

„Wie bitte?“ 

„Also du hast das gefilmt – oder?“ 

„Ja. Aber das Video hat kein Mensch außer mir.“ 

„Dann muss es dir jemand geklaut haben.“ 

„Des isch unmöglich. Es isch nur auf meinem PC.“ 

„Du wärst nicht der Erste, dem man den PC hackt. War der in letzter Zeit mal langsamer als normal?“ 

Kneller staunt. 

„Das stimmt.“

Dann wird er sauer. Er zweifelt alles an. Der Walzer erzähle nur irgendwas. 

„Wieso weiß er dann, dass ich es abwechselnd mit zweien gemacht habe?“ 

Kneller haut auf den Tisch. Davon fällt die Darth-Vader-Maske runter. Berner schaut sie fasziniert an. 

„Was machst du jetzt? Sexspielchen als Darth Vader verkleidet mit nix drunter unter der Kutte oder wie?“ 

Kneller sagt ihm, er habe keine Ahnung, wie das mit dem Video passiert sein könne, wenn es denn stimme. Dann schmeißt er ihn raus und schreit nach den Gorillas. 

„Ihr fahrt jetzt sofort zu diesem Walzer an den Bodensee. Zuerst checkt ihr, ob der den Olli versteckt hat. Wenn nicht, schnappt ihr euch seine Frau oder Freundin, diese Lena. Aber nehmt euch ein paar Tage Zeit und kundschaftet alles vorher sorgfältig aus.“

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Schoofseggl Autor Axel Ulrich

Axel Ulrich

Seehaldenstr. 21    CH 8265 Mammern

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